09.11.2004

Nightmare on L.-R.-street

Pr?fungen und dergleichen Hoppsassa machen gerade mein Leben extrem bunt. Oder furchtbar monoton. Eins von beidem. Ziemlich sch?ner Nebeneffekt der nun schon seit Monaten andauernden Stressphase sind die Tr?ume des Nachts. Nicht nur die Pr?fungsversagenstr?ume, die ich nicht vor, sondern nach einer bestandenen Pr?fung habe, sprechen da f?r sich.
Letztens hatte ich einen sehr merkw?rdigen Traum, den ich gerne hier schildern m?chte:

Wir machen einen Kameraschwenk ?ber einen der d?stersten Vororte von Paris. Der Himmel gestaltet sich in schmutziggelben bis vergammeltgr?nen Wolken, es grummelt gef?hrlich und man m?chte meinen, dieser eine der d?stersten Vororte von Paris h?tte noch niemals die Sonne gesehen. Oder die Sonne diesen Vorort. Na egal.
In diesem Vorort nun befindet sich eine alte, elisabethanische Villa. Kurz vor Paris. Die Vorderseite ist in altem, verwittertem, unbehauenem Sandstein gehalten, das Haus insgesamt hat zwei Stockwerke und rechts, ?ber einem kleinen Erker, erhebt sich ein niedliches Rapunzelt?rmchen mit kleinen Fensterchen, einem spitzen D?chlein und darauf quietscht eine schmiedeeiserne Wetterfahne. Die Fenster des Hauses sind allesamt sehr hoch und sehr schmal ? demnach d?rfte von au?en nicht sehr viel Licht nach innen dringen, was aber egal ist, da wir uns ja in einem der d?stersten Vororte von Paris befinden, der noch niemals die Sonne sah oder die Sonne ihn ? der Dachfirst ist mit h?bschen, gotischen Zinnen geschm?ckt und eingez?unt ist dieses nette H?uschen von einer Mauer, von der man nicht genau sagen kann, wozu sie da eigentlich steht, denn sie ist eigentlich schon mehr verfallen, als noch wirklich existent. Aber die Seitenposten der Mauer, die das gewaltige Eingangstor halten, stehen noch.

Ich befinde mich im Haus, wandere die zigtausend Treppen immer wieder hoch und runter, als mir pl?tzlich unter Hammondorgelgeschepper ein hysterisches, 80j?hriges Hausm?dchen entgegen gest?rzt kommt und die kn?chernen Arme ?ber dem Kopf schwenkend immer wieder kreischt: "Ein Erdbeben! Ein Erdbeben!", und Tatsache, wie sie fertig ist mit schreien, beginnt der Boden etwas zu beben. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich ein Erdbeben ist oder ob es sich um die Nachwehen des Getrampels des Hausm?dchens handelt. Ich werfe also einen Blick durch eines der sehr hohen und sehr schmalen Fenster nach drau?en und wirklich, drau?en zittert der ganze Vorort. Zuerst f?hle ich mich an Wackelpudding erinnert, wie da so die anderen Villen und H?tten durcheinander schaukeln und es sieht alles sehr musikalisch aus. Aber das Hausm?dchen hat die Hammondorgelbegleitung leider mitgenommen und so h?re ich zur bizarren H?userchoreographie nur ein bedrohliches Knirschen. Dann, mit einem Mal, steht wieder alles still: Die schmutziggelben und vergammeltgr?nen Wolken h?ngen friedlich, das Grundgrummeln ist zu h?ren und im Rapunzelt?rmchen flennt das Hausm?dchen.

Ich schaue noch etwas irritiert nach drau?en, als pl?tzlich die Silhouette des Vorortrandes, die sich bisher ganz zart vom dunklen Himmel abzeichnete, zu br?ckeln beginnt. Seltsamerweise ist von Zusammenst?rzen nichts zu h?ren. Es verschwindet nur komischerweise eine H?userzeile nach der anderen, manche T?rmchen knicken auch dramatisch staublos um, aber es macht wirklich den Anschein, als w?rde sich da eine Bodenwelle genau durch diesen Vorort unter den H?usern entlang bewegen. Ich kann mir in diesem Moment sicher sein, dass die Welle auch die elisabethanische Villa, in der ich noch stehe und nach drau?en schaue, nicht verschonen wird, und ich entschlie?e mich, besser das Haus zu verlassen. Ich renne also auf die Stra?e (Gott sei dank ist das riesige, schmiedeeiserne Tor offen) und stelle mich vor das Haus. Wie ich da stehe, beginnt auch schon der Einsturz und der ist imposant: Er beginnt nicht von unten und alles von oben kommt nachgesackt, nein, das Haus zerf?llt von oben nach unten. Zuerst knickt das Rapunzelt?rmchen samt Hausm?dchen weg, dann l?st sich das Dach Ziegelreihe um Ziegelreihe auf, dann purzeln die Dachzinnen runter und zum Schluss sacken zweites und erstes Stockwerk wie ein misslungenes Souffle? in sich zusammen. Das alles spielt sich auffallend gedehnt ab, sodass ich jeden Zerfallsschritt genau beobachten kann. Ich drehe mich nach allen Seiten um ? die Stra?e, auf der ich stehe, ist erstaunlicherweise vollkommen unbeschadet geblieben und weist nicht einen Asphaltriss auf ? und wo ich hinschaue, zeigt sich mir ein Trauerbild f?r jede K?chin. Haufenweise eingefallene Souffle?s. Ich schaue wieder auf meine ehemals h?bsche, elisabethanische Villa, ich kann langsam diese schmutziggelben und vergammeltgr?nen Wolken nicht mehr sehen und die entsetzliche Stille wird mir eigentlich erst bewusst, als ich ein leises Quietschen vernehme, das sich mir langsam n?hert. Ich schaue die Stra?e hinauf, aus der das Quietschen zu kommen scheint und langsam zeichnet sich auch ein amorpher Haufen im Dunkel ab. Tats?chlich, es kommt auf mich zu. Zum ersten Mal bekomme ich Angst ? so ein Erdbeben ist ja eher Kindergeburtstag ? aber so ein amorpher, quietschender Haufen wirkt sehr bedrohlich. Nun kommt der Haufen also n?her und n?her und ich stehe wie gel?hmt da und kann mich nicht bewegen und langsam erkenne ich, dass es sich bei dem Haufen um eine menschliche Gestalt in einem Rollstuhl handelt, die langsam auf mich zugequietscht kommt. Ich atme erleichtert aus und kurz vor mir h?lt Mensch samt Rollstuhl an: Es ist ein alter Mann in einer bei?endgelben Strickjacke, einer signalgr?nen Wollhose, er tr?gt einen wei?-rot-karierten Schlips, schwarze Schuhe, eine schwarze Schirmm?tze, auf der irgendwas in wei?en Buchstaben geschrieben steht, er sitzt sehr krumm und/oder l?ssig in seinem Rollstuhl, raucht eine Zigarre, hat vom Solarium entsetzlich verbrannte Haut und wie er vor mir sitzt und langsam den Kopf hebt, erkenne ich diesen Mann auch: Harald Juhnke!
Ich steh verdutzt da, bitte Harald um ein Autogramm, dann nimmt er meine linke Hand in seine linke Hand, t?tschelt mir gro?v?terlich mit seiner rechten Hand, in der er noch die Zigarre h?lt, meine linke Hand und dabei f?llt etwas Zigarrenasche auf seine signalgr?ne Hose und er sagt zu mir: "Ach, gutes Kind." Mehr sagt er nicht. Oder besser: An mehr kann ich mich nicht erinnern.

Nach diesem extrem verwirrenden Traum hab ich nat?rlich noch ein paar Fragen:
1. Warum tr?um ich von einem Pariser Vorort, wenn ich doch noch niemals in Paris war und woher wei? ich, dass es sich ?berhaupt um einen Vorort von Paris handelt, wenn ich doch noch niemals da war?
2. Was hat eine elisabethanische Villa in einem Vorort von Paris zu suchen?
3. Warum war das Hausm?dchen so alt und erinnerte irgendwie an Miss Marple?
4. Was hat das mit dem Erdbeben zu bedeuten?
5. Wie fallen normalerweise H?user bei einem Erdbeben zusammen?
6. Warum tr?ume ich in Schmutziggelb und Vergammeltgr?n?
7. Was hatte Harald Juhnke in meinem Traum zu suchen und warum hatte er Sonnenbrand?
8. Lebt Harald Juhnke ?berhaupt noch?
9. Was haben seine Worte an mich zu bedeuten?
10. Ist der ganze Traum am Ende ganz einfach mit Penisneid zu erkl?ren?

Irgendwer mit klugen Ideen zur Interpretation kann sich gern bei mir melden.

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9.11.04 16:14

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Bine / Website (16.11.04 11:03)
Ich finde es ja bemerkenswert, dass du diese schicksalshafte Story gerade an einem so schicksalshaften (ja, 2mal Schicksal) Tag wie dem 9. November veröffentlichst. Das macht den Penisneid sowas von unwichtig...zum Glück für dich... oder für Herrn J.? *gg*. Denk mal drüber nach *schlau gugg*. Viele liebe Blödelgrüsse, ich.


Uta (30.11.04 00:50)
Hallo, Du
ich weiss noch nicht mal, wie Du Dich nennst, aber ich finde Träume einfach so was von interessant, dass ich Dir mal was dazu schreiben muss.
Wichtig wäre für Dich zu wissen, womit Du die Stadt Paris verbindest. Das ist was eigenes. Darum weisst Du auch, dass es Paris ist. Eine Stadt an sich bietet Schutz und Einkommen. Auch die Villa (warum das gerade so eine Villa ist, kannst Du Dir auch nur selber beantworten indem Du Dir überlegst, was es für Dich bedeudet ) ist ein Symbol von Besitz, ein Haus an sich ist Schutz, Geborgenheit. Ein Erdbeben: Erschütterung des Standpunktes, Veunsicherung. Es tritt etwas an einen heran, dem man nur gewachsen ist, wenn alte Standpunkte völlig aufgegeben werden. Das ist immer auch die Chance zum Neuanfang. Das Treppauf, Treppab ist Wandlung und Übergang von unten ( dem Unbewussten) nach oben (dem Bewussten) und umgedreht. Symbol der persönlichen Ganzwerdung. Das heisst auch, dass Du Deinen Intuitionen folgen musst, weil Wissen ist noch keins da, auf das Du zurückgreifen kannst. Ja, bei Dir kracht vieles zusammen, wie es scheint. Is nich toll, wenn da nicht die Strasse
- Dein Weg -( der auch noch völlig unbeschadet ist) wäre. Aber der ist da. Deine innere Weissheit (klingt gut oder), was die alte Frau ist( Miss Marple ist scharfsinnig, oder?), hat Dir ja gesagt, dass alles zusammenkracht. Aber Du kannst den Weg ruhig gehen, im Haus war eh zu wenig Licht, ist ja auch nicht Dein Haus gewesen, die Mauern,die Schutz bedeuten, waren auch hinüber. Und das Tor stand offen nach drausen.Was will man mehr? Man soll immer Wege gehen, wo sich Türen öffnen.
Junhnke als weisser Mann? Irgendwie Zweifel. Und dann auch noch im Rollstuhl. Kann auch symbolisieren, dass man nichts mehr zu verlieren hat. Das taugt mir eher, weiss aber wieder nicht, wie Du den Mann siehst ( denk auf alle Fälle drüber nach, weil ich glaube der Mann ist ziehmlich vielschichtig). Ich denke "gutes Kind "bedeudet einfach nur "gutes Kind". Gut genug, um Deinen eigenen Weg zu gehen, der sich Dir jetzt bietet. Jetzt noch zum Penisneid. Dein Traum ist kein Penisneid, weil Juhnke und Penisneid, das wäre einfach pervers, oder? Warum soll eine Frau eigentlich Penisneid entwickeln? Gut, zum pullern isses ja ganz praktisch. Aber jetzt mal beim Sex, da können Männer immer nur mit Demselben. Wir können so viele haben, wie wir wollen, nicht aufeinmal aber so mit der Zeit kann sich schon was zusammenläppern, und wir haben dann auch ganz verschiedene, grosse, kleine fleissige und faule, wenn wir wollen. Wenn Du ein Mann bist und Du hast nen kleinen, faulen, haste Pech. Kriegste so was als Frau, suchst Du Dir....na was wohl.
Also nix Penisneid
Viel Spass auf Deinem Weg und vertrau Dir einfach.
Tschüss Uta

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