Ein Gruß an die verbalen Grobmotoriker

Ich habe eine Freundin und die habe ich sehr lieb. Was ich gar nicht vertragen kann, ist die Tatsache, dass verbale Grobmotoriker mit einem Schwall an Komplimenten ihr zuerst die Tür einrennen und dann sagen: "Entschuldigung. Ich hab das nicht so gemeint. Ich bezahl dir auch die Tür." So einen Typen will man dann auch nichtmal mehr zum guten Freund haben.

Liebe Männer oder zumindest die, die gerne denken, viel hilft viel: Es gibt Kommunikationskonventionen, was als nettes Kompliment gewertet wird und was durchaus als Anmachspruch durchgeht.

Ein paar Beispiele.

Nettes Kompliment: "Du siehst aber heute hübsch aus. Schöner Schal."
Anmache: "Griselda, du bist ausnehmend schön!"

Nettes Kompliment: "Mit dir hat man echt Spaß."
Anmache: "Du bist so eloquent, ich komm gar nicht los von dir!"

Nettes Kompliment: "Ach, der Abend heute mit dir war echt schön. Das nächste Mal gehen wir dann in die Cocktailbar, von der du vorhin erzählt hast."
Anmache: "Der Abend heute mit dir war wundervoll. Bitte, wann darf ich dich wiedersehen?"


Wer nach einer Salve der letztgenannten Komplimente sich anschließend wundert, dass die Frau sich Hoffnungen macht und arg enttäuscht ist, wenn der Spruch "Lass uns Freunde sein" kommt, hat definitiv die falschen Signale verschickt! Es gibt nicht nur die Pole "rüpelhaft" und "ausnehmend charmant"! Es geht auch, wenn man(n) sich einfach nur gut erzogen benimmt und nicht den gesamten Weg mit Honig auskleistert. Dann hilft es rein gar nichts, der Frau Naivität zu unterstellen und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen, dass da irgendwas falsch interpretiert wurde! Also, geht doch bitte nicht immer mit der Axt in den Wald, fällt einen Baum und stellt dann fest, dass ihr doch eigentlich genügend Feuerholz habt und den Baum nicht braucht. Ein entspannter Spaziergang reicht manchmal durchaus.


Moralpredigt beendet.

29.3.06 14:10

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


jörn / Website (20.4.06 23:27)
... während ich noch halbwegs beruhigt meiner eigenen Grobmotorik nachsinne (und mich mit ausreichend Feingefühl ausgestattet wähne), gedenke ich meiner unzähligen Ausflüge in den Wald von Bäumen, den ich stets vor ausgerechnet einem seiner Exemplare dann gar nicht mehr sehe, und typischerweise hat das eine Exemplar weder mit Axt noch ehrlichen Worten was am Hut. Vermutlich sind alle Bäume grobmotorisch verschreckt. Aber, dies sei hier einmal selbstüberschätzend angemerkt, nicht alle Förster laufen mit einer Kettensäge herum... ich hoffe, dem Murkel und seinem Zelt geht es gut? Liebe Grüße, Jörn.

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