"Der Herr ist mein Hirte, er wird mich leiten." Das habe ich mir heute früh gesagt nach all den Strapazen der letzten Woche.
Die Schule hat wieder begonnen. Montags ist es besonders arg: Fünf Stunden (für einen Anfänger ein echter Knaller), unfreundliche und rumbrüllende Leute (Chefs unter sich im erbitterten Kompetenzgerangel) und ich dazwischen und auf meinem Rücken wird alles ausgetragen. Es gibt für Referendare einen Seminartag (für mich der Donnerstag). Seit letzter Woche - da waren schon alle Stundenpläne geschrieben und mein Einsatz fest geplant - kam plötzlich die Meldung: Ab sofort auch montags Seminartag. Schule lehnte Änderungen meines Stundenplans ab, so dass ich mich hätte zerreißen müssen zwischen Unterrichten und Seminar. Was tun?
Nachdem letzte Woche wegen dieses Planungsfehlers mich nun jeder einmal angebrüllt hatte und ich, eigentlich mit einem starken Nervenkostüm gesegnet, dann doch mal in Tränen ausbrach, war heute Tag X da. Vom Schulleiter zum Unterrichten abgeordnet, kam ich nun diesen Pflichten nach. Früh saß ich dann in der Schule und da kam es mir in den Sinn: "Der Herr ist mein Hirte, er wird mich leiten." Und es kam wundersam! Ich hatte heute absolut zuckersüße Schüler vor mir sitzen, mit denen ich 5 Stunden herzlich gelacht habe und Spaß hatte. Dann zeichnete eine Schülerin zum Thema "Bildergänzung" (ich hatte bei einer Radierung von Dürer mit dem Titel "Adam und Eva" die Eva überklebt und die Schüler sollten auf dem weißen Platz etwas ergänzen) neben Adam ein Einhorn. Für alle Uneingeweihten: Im Mittelalter galt das Einhorn als Symbol für Jesus, da es das reinste Tier war. Nun ziehen wir die Parallele: Adam und Eva, Sündenfall, Jesus, Vergebung der Sünden. War ein Zufall, dass die Schülerin das zeichnete, aber ich war wie vom Donner gerührt. Am späten Nachmittag vermeldete dann das Seminar "Kommando zurück" und verlegte mein Seminar wieder auf Donnerstag.
Es war ein guter Tag. Danke, Herr!