11.04.2005



Für alle



Dem Andenken meines Vaters

für Birgit

und Ihnen, sehr verehrter Herr Professor K.,

zu Dankbarkeit

und meiner Frau Petra.



Dem Andenken meiner Mutter

und meiner Frau Carmen

und für meine Mutti

meiner Mutter.



Dem Andenken meiner Eltern

Für Claudia

V.Ž. in Freundschaft

und in Dankbarkeit für

zwei Jahrzehnte

wissenschaftlicher Zusammenarbeit.

Für meinen Sohn Franz Benedikt.







Es ist ein Auszug aus einer Sammlung an Widmungen, die ich im Laufe des letzten Jahres in Büchern fand. Wie lese ich ein Buch? Schaue ich es von vorn bis hinten an? Wer nimmt eigentlich so eine Widmung wahr? Warum bekommen hunderte von Müttern extrem langweilige Bücher über Romantheorie, Wortbildung und Sprachgeschichte gewidmet? Da steht: Für meine Mutter. Dies steht in hunderten von Büchern. In dem Moment wird die wohl wichtigste Bezugsperson im Leben eines Menschen vollkommen abstrakt. So auf dem Papier, in einem Buch, in einer Widmung sieht eine Mutter aus wie die andere.



Nächster Punkt: Der Grund einer Widmung. Warum bekommt überhaupt irgendjemand, der weder als Autor noch als Herausgeber im Titel erwähnt wird, ein Buch gewidmet?

An dieser Stelle offenbart sich ein Stückchen privater Geschichte, das aber nicht erzählt wird, sondern maximal vom fremden Leser erahnt werden kann. Da steht: Für meine Frau Carmen. Ok, sie ist schon weniger abstrakt als die Widmungsmütter. Aber was hat sie mit dem Buch zu tun? Hat sie den Autor inspiriert? Korrektur gelesen? Ihm während dessen ein Kind geboren? Oder ist sie gar, während das Buch geschrieben wurde, verstorben und dies soll der letzte Gruß an sie sein? Was steckt dahinter?



Meine Vorstellung: Da steht irgendwo ein Mensch mit einem Buch in der Hand, lächelt versonnen über die dritte Buchseite, streicht mit der Hand darüber und ist gerührt über die an ihn gerichtete Widmung. Wenn der Verfasser Glück hat, stehen zur selben Zeit und später hunderte von Menschen ebenso wie der eine mit dem Buch in der Hand, nehmen möglicherweise die Widmung wahr, kennen aber weder eine Carmen noch eine Petra und all die Mütter schon gleich gar nicht. Aber es wird als eine liebe Geste des Verfassers erkannt, als Dankbarkeit decodiert, es wirkt in jedem Falle sehr herzlich. Dieses eine Buch gehört einem einzigen, ganz besonderen Menschen. In jeder Widmung steckt eine ganz besondere Form von Gedächtnis. Es ist privates Gedächtnis und Identität, das in dem Moment der Veröffentlichung und mit Wahrnehmung durch Fremde öffentlich wird. Aber jede Widmung wird nur dem Wortlaut nach öffentlich. Der Sinn bleibt privat. So hat jedes Buch, das irgendwem gewidmet wird, eine kleine versiegelte Stelle. Bei allem Kommerz und Rechten am Buch, die auf verschiedene Leute aufgeteilt sind, hat der Autor ein kleines Stück Biographie in jedem Buch gelassen: Durch Mutti, Carmen und Franz Benedikt.









Wenn das hier einer liest und eine besonders schöne Widmung in einem Buch gefunden hat, dann hier auflisten und Buch + Verfasser dazu schreiben. Mit etwas Glück wird das mal eine andere Art von Bibliographie.

11.4.05 11:30

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bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


500 beine la-la-la the life go / Website (11.4.05 11:41)
da ich gerne sachen lese, über die ich so noch
nie nachgedacht habe, widme ich Ihnen ein
dankeschön.


Milf (14.4.05 09:15)
Ich hab' mal eine Seminararbeit an die Hersteller von Schokolade, Gummibaerchen und Koffeinhaltingen Erfrischungsgetraenken gewidmet.

Und haette ich meine Diplomarbeit meiner Freundin gewidmet, haette sie mich erschlagen (hat sie gesagt).


Marcus (25.4.05 11:48)
Wirklich erstaunlich, auf welche kleinen Details Du mit Deinen Geschichten meinen Blick lenkst. Ich habe nun ein paar Bücher zur Hand genommen und war verblüfft, dass tatsächlich etwa ein Drittel gewidmet waren. Das war mir bislang entgangen. Meist steht da nur ein schnöder, nichtssagender Name, einmal mit "in Liebe", einmal mit "wie immer für" versehen. Besondere Widmungen fand ich selten, dennoch hier drei Beispiele:

Jack & Jerry Schreur, "Oh mein Papa...":
Meinen Enkelkindern Lauren, Elena, Erin und Kendall
Ich habe euch sehr gern - ihr seid die besten!"

Henrike Wöbking, "Drei Tage dreißig":
Für Chrism, weil er schuld ist.
Und alle Hasen in SHG, HH, K und L.A.

Mario Barth, Langenscheidt, "Deutsch-Frau, Frau-Deutsch":
Dieses Buch widme ich meinem Opa Prof. Dr. Karl Gellert. Er kannte mich nur als lernfaulen Chaoten, und was ist aus mir geworden? Ein schreibender Chaot!
Danke für die schönen Stunden


t.b.c.
Lieben Gruß von Deinem FAN ;o)


Jörn / Website (30.4.05 17:03)
Verehrte Madame De,j,

Deine/Ihre ganz besondren Sichten auf das scheinbar Alltägliche, sie faszinieren mich. So hab ich mein Regal durchsucht und wurde fündig, mal jenseits von dem Dank an Oma Krause, Mama und Elise:

Während Diether de la Motte sein wunderbares Buch über Melodien "Der Schönen Müllerin" gewidmet, so dankte er für seinen durchaus schwer zu lesenden Brocken "Harmonielehre", vermutlich aus praktischen Gründen, "Den Pfälzer Weinen, insbesondere dem Rhodter und Schweigener, in tiefer Ergebenheit".

Dank Dir ist mir Herr de la Motte nun noch symphatischer.

Herzliche Grüße von Jörn.


ama / Website (26.7.05 00:22)
Ich verstehe die Widmungen grundsätzlich so, wie die Sprüche, die man manchmal großbuchstabig auf Brücken gesprüht lesen kann, etwa:

Nadine, ich liebe dich!

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