25.6.2004


Mein Tag - Dein Klischee


Heute mal kein Eintrag in Prosaform. Heute mal Lyrik. Wenn man es denn so nennen will. Es ist eher Antilyrik. Liebesantilyrik. Ich find es entsetzlich traurig.


Auch das noch.


Vergessen bist du in einem Jahr;
die Blumen auf der Tapete verbl?h`n.
In jeder Suppe schwimmt dein Haar,
vorbei das dumpfe Herzensgl?h`n!
"Ich hatte Schmetterlinge im Magen!"
Herrgott! Sowas w?rd ich niemals sagen!
Und leise rieselt der Schnee:
wenn einer geht, tut es weh.


Die Zeit war kurz und du bist es auch,
die Zeit danach zieht sich endlos hin.
Mein Herz ist schwer wie Kopf und Bauch,
ich lache, wenn ich einsam bin.
Die Rosen, Tulpen, und auch die Nelken,
alle, alle m?ssen welken.
Und Neuerdings tut es weh
wenn einer kommt. Ach nee.


Das Jahr ist rum und du bist es nicht.
Ich warte immer noch auf den Tag,
dass einer sagt, es werde Licht
und ich mich nicht nach dir befrag.
Du bist nicht hier und ich bin nicht da
und einer ist sicher dem Himmel nah -
So dreh dich schon um und geh:
Bist du da, bleibst du weg, tut es weh.


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8 Kommentare 25.6.04 18:58, kommentieren

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22.6.2004


Mutti, Mutti, der Gl?ckskeks gestern war schlecht!


Gestern ?berraschte mich Simone. Mit einem Gl?ckskeks. Was hab ich mich gefreut! Ich glaube, es stand irgend sowas drin von wegen, dass die Gelegenheit g?nstig ist und ich keine Chance auslassen soll oder so.......das ist gro?artig! Ich habe 5kg Schokolade eingekauft. Die Gelegenheit ist g?nstig (war alles im Sonderangebot): Laut Gl?ckskeks werde ich jetzt nicht dick davon! Ich werde noch heute meine gro?e Liebe anrufen und ihm das gesamte letzte Jahr beichten. Ich werde den Leuten in meinem Hause mitteilen, dass ich sie allesamt zum kotzen finde und sie ne Putzfrau bezahlen sollen, wenn sie schon unbedingt eine saubere Treppe haben wollen. Kann mir ja nix passieren. Simones Gl?ckskeks wacht ?ber meine Sicherheit. Das ist mein Idiotenfreibrief. Danke Simone! :-)


Dabei hatten ich aber noch eine anderen Idee. Was w?re, wenn man mal zum 1. April in den am meisten frequentierten Chinarestaurants und Lieferservices die Gl?ckskekse austauschen w?rde gegen welche, die nur Hiobsbotschaften enthalten? Meine Hitliste:

1. Das, was sie da gegessen haben, war vergiftet und war aus Ihrem Hund zubereitet.
2. Ihr Chef h?lt sie f?r einen kompletten Volltrottel. Gehen Sie sich erschie?en!
3. Nicht die Katze Ihrer Nachbarn hinterl?sst diese H?ufchen in ihrem Rosenbeet, sondern die Nachbarn selbst.
4. Wer das liest ist doof.
5. Wer das isst, ist doof.
6. Iss das Papier!
7. Daf?r, dass Du der Kellnerin in den Ausschnitt und auf den Hintern geglotzt hast, hat sie Dir in den Gratispflaumenwein gespuckt.
8. Du dumme Nuss sitzt beim Griechen! Lass dich untersuchen! Und wenn du nochmal H?hnchen s??-sauer bestellst, gibts was mit der Gyrospfanne!
9. Jedes 10. Los gewinnt.
10. Konfuzius sagt: Trink noch eine Flasche Pflaumenwein. Du hast es n?tig.

F?r Fortsetzungen bin ich dankbar! Wer ein gutes Gl?ckskeksteigrezept kennt und wei?, wie man die Dinger formen muss, gibt mir bitte umgehend Bescheid!


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4 Kommentare 22.6.04 16:07, kommentieren

19.6.2004


Gro?artiges Leben!


Lieber Leser. Heute darfst du daran teilhaben, wie die Autorin nach eigenem Bekunden "b\'suffa" ist. Das ?u?ert sich in verhasster Korrekturleserei, zu viel Bier auf n?chternen Magen, ?rgernis ?ber einen TV-Player, der nicht funktioniert und diversen anderen, unwichtigen Krempelkram. Zudem bin ich seit 2 Wochen im Besitz eines kaputten Fernsehers. Zu diesem Zwecke habe ich gestern das erste Mal quasi operativ mit meinem K?chenmesser (!!) meinen PC aufgeschraubt (ist das jetzt richtig geschrieben? *korrektur les*) und hab mal so Probestecken gemacht, wo denn die TV-Karte passen k?nnte. Bei dem Vergleich der Soundkabel ergab sich, dass graue Kabel an die onboard-Sounfkarte geh?ren (anderesfarbige Kabel warem im Lieferumfang der TV-Karte nicht enthalten) und jetzt wisst ihr, wie M?dels TV-Karten in PCs einbauen: Mit K?chenmesser und durch Kabelfarbvergleich. Wer jetzt lacht, fliegt raus!


Im Prinzip ist das nicht mein einziges ?rgernis (in diesen 8 *nachz?hl* Worten verbargen sich doch jetzt glatt 5 Fehler.....Bier ist ab sofort gestrichen!): Alex, hiermit gehen die allerliebsten Gr??e an dich: Warum nur sind die meisten Menschen mit dem unzufrieden, was sie haben? Ich habe ja nun etliche Freunde und Bekannte in meinem Umfeld. Die Gebundenen klagen ?ber ihr Gebundensein, die Singles klagen ?ber die Einsamkeit. Hier nun das Patentrezept, um diesem Dilemma zu entgehen: Niemand wird einfach so ins Leben geworfen, ohne etwas dagegen unternehmen zu k?nnen. Jeder ist seines eigenen Gl?ckes Schmied und jeder kann sein Leben gestalten, wie er es will. Das tut kein anderer f?r einen. Wir werden auch nicht gl?cklicher, indem uns andere immer toller finden. Wer seinen eigenen Wert nicht begriffen hat, begreift ihn auch nicht, wenn er in einen Spiegel schaut oder ein anderer ihm sagt, wie "wertvoll" er ist. Leute, nehmt euer Leben selbst in die Hand! Es gibt noch so viele andere Herausforderungen als "Mister Right" finden oder den perfekten Job ergattern. Wenn es erstmal nur ein guter Tag ist, den man erlebt, ist das schon mehr als gar nichts! Singles, ihr habt eure Flexibilit?t. Alle, die in Beziehunge leben, sind nicht einsam! Sucht euch doch bitte mal die Sonnenseiten, anstatt immer nur an den Schatten zu verzweifeln.......echt jetzt!


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Anderes Thema.....keine Ahnung, ob das jetzt hinhaut: Aufruf an alle Damen!!! Macht doch mal Fotos, von denen ihr meint, dass ihr darauf ausseht wie Vamps! Hier ist mein Beitrag (und ich hab davon noch jede Menge hier auf Festplatte.....normal guck ich eh nie):


W?rde mich freuen, wenn da andere mitmachen!! Zu dem Zweck bitte Kommentar hier in mein Weblog (mit URL) oder das der anderen, damit man die Bilderserie nachverfolgen kann :-)


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6 Kommentare 19.6.04 01:54, kommentieren

2.6.2004


Mittelma? oder die Unf?higkeit zum Gl?ck


Es war letzten Samstag. Ich war mal wieder bei einem gesellschaftlichen Event so called "Grillparty mit Lagerfeuer". Eigentlich mag ich solche Fleischfresserzusammenrottungen nicht sonderlich, aber diese Party war witzig. Zudem durfte ich erstmals am Grill stehen und f?r eine geborene K?chin wie mich ist das schon recht vers?hnlich. Unspektakul?r verfloss eine Stunde um die andere, Gesichter spannten sich in Feuern?he nebeneinander auf, rot gl?hten die Wangen und ein Baum nach dem anderen wurde ins Feuer nachgeworfen. Irgendwann begab es sich, dass der Heimweg angetreten werden sollte. In diesem Moment realisierte ich wieder, dass wir uns auf einem St?ckchen Land befanden, wo sich vermutlich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, aber zu dem ich beim besten Willen keinen Namen wu?te. Es musste also eine Mitfahrgelegenheit organisiert werden, was nicht weiter schwer war. Mich nahm ein P?rchen mit.


Dieses P?rchen, Eltern eines 3j?hrigen Sohnes, sie 1 Jahr ?lter als ich, er altersm??ig unsch?tzbar, entpuppten sich f?r mich nach den ersten 3 Minuten als der Prototyp des Mittelma?es: Sie fuhren ein Mittelklasseauto, h?rten Durchschnittsbummbummtechno ?ber Autoradio, hatten in den besten Jahren geheiratet und einen Sohn gezeugt, sie f?hrten die Durchschnittsgespr?che ?ber n?chtliche Raser, wieviel er getrunken hatte, dass seine Mutter viel schlimmer ist als ihre, dass der Sohn immer dann nur ihr Sohn ist, wenn er was angestellt hat, sie lieber viel ?fter selbst Auto fahren w?rde, wenn er sie lie?e, dann wurden mir auf der Digicam dr?lfmillionen Fotos des neuerdings mobilen Familienalbums gezeigt: Hauptmotiv das voller Stolz ausgebr?tete Ei, genannt "Sohn", und ich schaute mir dieses Paar erst mit einem L?cheln voller Amusement an und dann mit einem L?cheln voller Wehmut.


Der erste Gedanke: "Oh Gott! Hoffentlich werd ich niemals so wie sie und f?hre so eine Ehe wie die beiden! Ich will keine Superglucke werden und keinen Mann mit Schnauzbart haben, der 4 geschluckte Whiskey-Cola und 5 Bier f?r Peanuts h?lt! Bitte, wenn mein gr??tes Highlight wird, dass ich mal bis 1 Uhr aufbleiben kann, was passiert dann eigentlich noch?"


Der zweite Gedanke: "Aber mein Gott, selbst wenn das nicht mein Weg ist, wie die beiden gemeinsam leben, so haben sie doch zumindest etwas, das gegen?ber meiner Frei- und Studiertheit, dem Singledasein und dem vollen B?cherschrank gar nicht mal so unbedeutend aussieht.....und das ist Zweisamkeit. Die beiden haben einander. Sie haben ein Durchschnittsgl?ck. Immerhin, es ist ein Gl?ck, das sie beide ausf?llt und sicher nicht allzu viel vermissen l?sst. Sie kann von ihrem Mann reden, er von seiner Frau und beide zusammen von ihrem gemeinsamen Sohn. Im Grunde hei?t Mittelma? doch, dass es genau richtig ist: Nicht zu viel und nicht zu wenig. Ausgewogen. Unentschieden? Nein, ausgewogen."


Der dritte Gedanke: "Ich beneide die beiden. ?berragende Pers?nlichkeiten sind sie beide nicht. Ich auch nicht. Ich halte mich nur gerne ab und zu f?r irgendwie elit?r. Und was hat es mir gebracht? Es muss immerzu irgendwie das Besondere sein: Kunstfilm statt Nackte Kanone oder Terminator, Klassik statt Techno, Harry Mulisch statt Harry Potter, es sollte die K?nstlerkarriere werden, der Sprung nach drau?en, besser, weiter, gr??er, mehr, immer weiter wachsen und das Ergebnis dessen ist, dass ich verlernt habe, dabei gl?cklich zu sein. Es gibt nichtmal mehr Zufriedenheit, denn alles, was ich bisher angefangen habe, ist unfertig. Eins habe ich bisher noch nicht gelernt: Beschr?nkung. Ich kann mir keine Grenzen setzen oder kenne meine Grenzen nicht. Oder ich will sie nicht kennen? Wohin sollte ich mich jetzt am besten entwickeln? Mal davon abgesehen, dass ich so langsam f?r mich selbst schwer ertragbar bin, welcher andere Mensch ertr?gt mich so denn noch?"


Meine Marschroute: Nicht das Besondere wollen. Besonders wird etwas sowieso nur vom jeweiligen Betrachterstandpunkt aus. Das, was ich zuerst bei dem P?rchen bel?chelt habe, ist f?r beide etwas ganz Besonderes. F?r mich muss es das ja nicht sein. Mittelma? ist auch nur subjektiv. Und das zu tun, was viele tun - einen Lebensrhythmus, Ziele und Priorit?ten entwickeln- ist gar nicht mal so verkehrt. Das hei?t ja noch lange nicht, dass man alle Verr?cktheiten und Spleens ablegen muss. Nur etwas Normalit?t entwickeln w?re nicht schlecht.


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7 Kommentare 2.6.04 14:21, kommentieren

24.5.2004


Drama!


Wetter: *hust*
Au?entemperatur: herrje!
Gewicht laut Waage: Ohgottohgott!


Es hat 26 Jahre gedauert und heute muss ich zugeben, ich bin mehr Frau, als ich wahrhaben wollte: Ich habe einen Schuhtick! V?llig unvorbereitet, zur Frustkompensation, habe ich mir heute ein v?llig nutzloses Paar Schuhe gekauft. Es ist sehr h?bsch.


Bei der Gelegenheit sah ich gleich das n?chste Paar Schuhe, das ich unbedingt (!!) haben muss. Mit diesem Paar Schuhe, das ich heute erstand, geht zweifelsohne die galoppierende Weibisierung bei mir los: Ich gebe mir zwei Tage, dann wird mich extrem die Cellulite an meinem Hintern st?ren. Zwei weitere Tage und ich denke ?ber lackierte Fu?n?gel nach. Ich werde wieder mit dem Zeigefinger L?ckchen in Haarstr?hnchen drehen, w?hrend ich mit einem Kerl rede, ich werde wieder albern kichern (das hab ich mir m?hsam abgew?hnt) und was das Schlimmste ist: Ich werde Hei?hunger auf Minir?cke an mir bekommen. Die sind nat?rlich untragbar mit der M?rdercellulite an Po und Schenkeln, ich werde in eine tiefe, sehr weibliche Depression fallen und nur der Hammeroberpr?sentkorb an m?nnlichen Komplimenten wird mich wieder halbwegs vertr?glich stimmen. UND ALLES NUR WEGEN EIN PAAR LUMPIGER SCHUHE F?R 14,95!!! Ich bin so gut wie erledigt.


Ich habe sehr gro?e Existenzangst. Die Apfelessigdi?t steht schon f??escharrend und menetekelnd vor der K?hlschrankt?r. Ich ertappe mich dabei, wie ich auf dem Fahrrad sitzend mich kritisch im Vorbeifliegen in Schaufensterscheiben begutachte. Nur deswegen fahre ich mit dem Fahrrad durch Einkaufsstra?en. Zu Fu? w?re mir der Anblick wohl unertr?glich. Die oberste Peinlichkeitsstufe scheint f?r mich wieder verwischtes Make-up zu sein. Ich suche Haargummis passend zur Sockenfarbe raus. Ich mache mir 4h am Tag Sorgen um gespaltene Haarspitzen......und nach diesem M?rderterror an Gedankenkarussell bleibt nur noch ein Ausweg:


M?dels: Nicht unsere Gene sind schuld, sondern einzig und alleine Deichmann und Reno! Macht einen Bogen um diese L?den!


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2 Kommentare 25.5.04 23:11, kommentieren

18.5.2004


Ohne-dich.


Du bist ein Ohne-dich. Es geht seit einem Jahr alles ohne dich. Und du bist sehr intensiv nicht da. Jeden Tag.


Jeden Tag wird mir dein Nichtdasein immer pr?senter. Fast leibhaftig stehst du nicht vor mir. In Gedanken rede ich oft mit dir und auf meine Art bist du mir unglaublich vertraut. Verr?ckt? Vielleicht. So habe ich 365 Tage mit ohne dich verbracht, du bist mir ein lieb gewordener Gedanke, eine Minute Geborgenheit durch Imagination, ein Augenblick Selbstgespr?ch. Ich werde ja wohl noch an dich denken d?rfen! Und jetzt schon wieder: Ich habe eine Checkliste, was ich dir alles gerne zeigen und sagen w?rde und ich tu es still f?r mich.


In Frankfurt a.M. im MMK gibt es eine Installation von David Reed: "Judy?s Bedroom". Man kommt rein, durchlebt dieses Zimmer, dieses Werk, und wartet innerlich immerzu auf Judy. Irgendwann, wenn zum 5. Mal "Vertigo" ?ber Video durchgelaufen ist, wird einem klar, dass Judy niemals kommt. Schlie?lich befinden wir uns in einem Museum, Judy gibt es nicht, daf?r aber ihr Schlafzimmer und es sieht so einladend aus und man hat sich einen Moment bei Judy, die es nicht gibt, sehr behaglich und wohl gef?hlt. Ich wollte mich mindestens einmal auf ihr Bett setzen, die knallgr?ne Beleuchtung hat mich kein St?ck gest?rt und als ich ihr Schlafzimmer wieder verlie?, war drau?en alles rosarot (wer mal intensiv auf eine gr?ne Gl?hlampe gestarrt hat, wei? jetzt, wovon ich rede).


So ging es mir 365 Tage mit dir. Jetzt versuche ich, erstmals mir dein Nichtdasein wirklich klar zu machen, du bist nicht da, nicht da, nicht da. Nicht da. Nicht hier. Aber du bist.


Ich warte auf den Tag, an dem ich dir gegen?ber stehen und mir sagen kann, dass es mit einem Ohne-dich Gott sei dank nur halb so bunt ist. Ohne Ohne-dich fehlt mir zwar ein sch?ner Gedanke am Tag, aber ich rede mir tapfer ein, dass es sich ohne dich ges?nder lebt. Jetzt erst wirst du ein richtiger Ohne-dich, denn jetzt erst tut es ohne dich erst richtig weh.



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1 Kommentar 18.5.04 23:03, kommentieren

16.5.2004


"Komm mal her, ich will dich beissen!"


Heute:


Au?entemperatur: sauer.
Spiegelbild: Gestatten, mein Name ist Dej.
K?rpergef?hl: Hungrig.
Antrieb: -slos.
Das Wort zum Sonntag: Schon wieder vergessen


Ich bin eine chronische Immerwastuerin. Ich kann nicht einfach nichts tun. Immerzu brauch ich etwas, mit dem ich mich besch?ftigen kann. In meinem Leben habe ich es schon zu etwas gebracht: Seit ich mich mit Menschen unterhalte, bin ich eine beachtliche Papierfalter- und -rollerin geworden. Bei Telefonaten k?nnte ich ganze Tapeten vollzeichnen. Ich bin weltbeste Kunstvollschnipsgummiverknoterin. Ich arbeite an einer Technik, Papier rollen und falten mit Kunstvollschnipsgummiverknoten zu kombinieren. Wenn ich das nicht so totlangweilig finden w?rde, h?tte ich an Fernsehabenden auch schon mein gesamtes Mobiliar in Schutzanz?ge eingeh?kelt. Ich erfinde best?ndig neue Arten, meinen Namen zu schreiben. Und gerade geht mir das banalste Zeug durch den Kopf. Ich betrachte dieses Tagebuch hier als Schreib?bung. Ich will wissen, ob man sich zwingen kann, jeden Tag etwas Besonderes wahrzunehmen, sich zu merken und aufzuschreiben.


Ich war heute bei meinen Eltern und da fiel mir, als ich bei ihnen sa?, wieder das neue Buch von Christa Wolf ein: Ein Tag im Jahr. Sie hat ?ber 40 Jahre hinweg immer einen Tag dokumentiert: Den 27. September. Ob sie mal ein Jahr vergessen hat, ?ber diesen einen Tag Buch zu f?hren? Was h?tte ich heute geschrieben, wenn ich ?ber den 16.5. schreiben w?rde? Es ist jetzt 21.37 Uhr und von diesem Tag ist mir nichts ?brig geblieben. Ich habe gefr?hst?ckt, ich habe 2 Stunden in der Badewanne gelegen, gelesen und Musik geh?rt, ich fand meine Haare wieder viel zu lang (und au?erdem auch viel zu rot und verfitzt), ich habe mich ?ber die politische Weltlage informiert und begr??te es, dass die israelische Bev?lkerung selbst f?r eine R?umung des Gaza-Streifens sein soll und f?r eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit den Pal?stinensern ist (laut Nachrichten im Radio, die ich w?hrend des Aufwachens mit halbem Ohr vernahm), der Sonntagsgottesdienst auf MDR-figaro wurde dann schon ohne mein Beisein gehalten und an das, was danach kam, erinnere ich mich schon nicht mehr. Ein Tag im Jahr kann wirklich extrem bedeutungslos sein. Oder macht man ihn selbst bedeutungslos, indem man ihn mit nichts f?llt? In jedem Fall wird er zu einer echten, kreativen Herausforderung. Kann es sein, dass f?r mich heute einfach ein Tag ins Land gegangen ist, als w?re er gar nicht gewesen? Wievielen Tagen ist es auch schon so ergangen wie heute dem 16.5.2004? Versammeln sich die Tage alle, wenn sie vorbei sind, in irgend einer Ecke in meinem Kalender, rotten sich da verschw?rerisch zusammen, schauen noch verkniffen aus den Augenwinkeln auf mich und w?nschen mir einen Zeitraffer an den Hals? Ach, nein, nein, Doris, das ist noch kein Verfolgungswahn. Geh schlafen. Morgen ist auch noch ein Tag.


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1 Kommentar 16.5.04 21:54, kommentieren

15.5.2004


Heute ein Stummfilm.


Manche Tage sind sehr grau. Der heutige beispielsweise. Man f?hlt sich regelrecht grau. Man klappt die Augen auf, schaut die graue Zimmerdecke an und wei?: "Heute ist ein grauer Tag." Ich entstieg meinem grauen Bett, schaute in den Spiegel und fand es entsetzlich grau, ich trank grauen Kaffee zum Fr?hst?ck, der Schinken auf dem Br?tchen sah nicht nur grau aus, sondern er roch auch sehr grau, aus Miezens M?ulchen kamen sogar dunkelgraue Laute und die Japanische Kirsche vor meinem Fenster raschelte grau mit einer kleinen Nuance an gr?n.


Ich f?hle mich entsetzlich angestaubt. Ich m?chte meinen, ich h?tte schon Jahre hier auf diesem Stuhl vor dem Fenster gesessen, h?tte schon mein Leben lang elefantenh?utige B?ume gesehen und Blumen aus Beton. Aus dem Himmel regnet es Kies. Irgendjemand hat aus meinem Tag die Farbe weggedreht und ich komme mir vor wie 1950. Jemand im Supermarkt redet mit mir, aber ich h?re nur bedrohlich scheppernde Musik. Jetzt ein Streichersolo in anthrazit, ohweh, ohweh, die Grau-pen sind alle.


Irgendwie l?sst sich heute mit mir so gar nichts anfangen. Ich habe diesen Tag mit einer Erinnerung an meinen immerw?hrenden Liebeskummer begonnen und dieser nebelt seit Stunden immer wieder an meinem Fenster vor?ber. Immer, wenn ich die Japanische Kirsche rascheln sehe. Als Kontrastprogramm dazu schluchzt Sting schon seit 5 Stunden "Fields of gold". Ich w?rde mich jetzt gern in die Badewanne legen, aber ich hab Angst, dass sich dann alle Farbe aus mir rausw?scht, so wie wenn man ein Aquarell wieder ins Wasser legt. Vielleicht bin ich auch nur ein Bild, das einer in einem Anfall von Sarkasmus auf die Leinwand geschmissen hat (Anmerkung: Graue Tage sind Selbstmitleidstage. Da mich andere immer so unzureichend bemitleiden, erledige ich das selbstverst?ndlich lieber allein. Wenn du willst, dass etwas richtig gemacht wird, tu es selbst.). Wenn ich mir vorstelle, was alles grau ist, f?llt mir Folgendes ein: Schweigen aus Gleichg?ltigkeit, nicht durstig und nicht hungrig sein, 16 Uhr, Musik von Telemann, 10?C, der Geruch von einem Schafsfell, der Geschmack von Reiscrackern. Grau ist unentschieden.


Punkt.



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15.5.04 18:56, kommentieren

14.5.2004

Guten Tag.


Ich weigere mich, hier mit "liebes Tagebuch" zu beginnen. Schlie?lich rede ich auch nicht mit W?nden oder umarme B?ume!


Im Grunde m?chte ich hier meine t?glichen Gedankensplitter sammeln. Das wird also kein Scherbenhaufen im Sinne von zerbrochenen Dingen, sondern eher so ein fl?chtiger Seitenblick auf Dinge, die einem nicht ins Auge springen, in die Seite stechen oder hinterr?cks ?berfallen, sondern die sich so fast wie nebenbei durchs Blickfeld oder den Kopf schleichen.


Ich bin eine typische Frau: Ich habe Gewichtsprobleme, ich mag meine Oberschenkel nicht, ich finde, dass ich viel zu sehr die Schultern h?ngen lasse und m?chte mein Doppelkinn gerne hinter einem Rollkragen verstecken und ich hasse Di?ten! Ich bin seit 2 1/2 Jahren freiwillig und konsequent Single, weil ich jetzt auf Mr. Right warte und wenn ich den gefunden habe, mich dann nicht erst von Mr. Wrong trennen muss. Ich habe mir vor 6 Monaten das Rauchen abgew?hnt, um wieder ein Jubil?um feiern zu k?nnen (hey, seit 1 Monat Nichtraucher, gratuliere!). Einmal alle 3 Monate m?chte ich mir die Haare auf 5cm L?nge scheren lassen. Dieses Gedankenritual betreibe ich seit 3 Jahren. Bei dem Gedanken an "weniger essen" bekomme ich Hei?hunger auf Schokolade. Und ich zieh mich nur noch im Dunkeln aus. Und ich habe Liebeskummer. UND ich h?re deswegen des ?fteren mit essen und schlafen auf. Ja, ich pflege meine Neurosen.


Ich bin keine typische Frau: Ich hasse shoppen. Ich trage selten Schmuck, Make-up leg ich nur auf, wenn ich Mr. Right beeindrucken will und wenn ich mich chique mache und versuche, feminin auszusehen, erkennt mich pl?tzlich keiner mehr. "Sich aufstylen" hei?t bei mir "verkleiden". Ich bem?he mich, keine Hilfsbed?rftigkeit auszustrahlen oder das schutzlose, junge Reh zu mimen. Nimmt mir bei meinen k?rperlichen Ausma?en eh keiner ab....also, das mit dem Reh. Ich rede nicht mit meiner besten Freundin ?ber Sex. Das mach ich mit M?nnern. Vermutlich bin ich deswegen Single. Ich einsiedel gerne. Ich trinke am liebsten Bier und finde Kettens?gen aufregend. Neuerdings habe ich keine H?henangst mehr. Ich maler und tapeziere ausgezeichnet und ich liebe es wie verr?ckt, mit der Bohrmaschine L?cher in irgendwelche W?nde zu bohren. Ich mag Spinnen.....oder besser: Ich habe keine Angst vor ihnen und finde sie m??ig eklig.


Tja, und was lerne ich nun aus dieser ganzen Aufz?hlung? Ganz einfach: Ich bin kein Klischee. Na, wenn das nix ist!


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2 Kommentare 15.5.04 01:32, kommentieren

13.5.2004

Ohgottohgott


Es ist schon 10.24 Uhr. Mein Magen ist noch immer ohne Inhalt. Mein Blut schreit nach Verd?nnung durch Kaffee. ?ber winamp dudelt schon seit 1h dasselbe Lied von Thomas Fersen. Und ich sitze wie gel?hmt vor dem Monitor, die Finger in gekr?mmter Haltung erwartungsvoll ?ber die Tastatur gew?lbt: Ein Tagebuch........... Ein Tagebuch............ Verhasste Teeniezeiten sind wieder da: "Mutti ist ungerecht, Ren? liebt mich nicht, Ren? ist mir schon wieder egal, weil mich jetzt Martin nicht liebt und Tom ist bl?d (Mutti heute auch), mein Bruder hat seit 2 Wochen eine Freundin, ich habe Angst, dass sie heiraten, ich glaube, ich mag Martin doch wieder, auf jeden Fall habe ich Liebeskummer, Liebeskummer, Liebeskummer." Ich habe in regelm??igen Abst?nden meine Tageb?cher wieder zerfetzt, weil mir alles sehr, sehr peinlich war. Zumal kamen nach Ren?, Martin und Tom noch dr?lfmillionen andere, jeder bekam eine Seite in meinem Tagebuch, die danach ordentlich rausgerissen wurde. Zum Schluss hielt ich 2 Buchdeckel in den H?nden ohne was dazwischen. Mein Tagebuch.

Madame, hoffentlich wird es hiermit anders! Prost!

Ps.: Danke, Simone , deinetwegen schreibe ich wieder Tagebuch. Ich sehe den erneuten, w?chentlich wechselnden Liebeskummer wieder vor mir! Aber tr?ste dich: Du wirst dir das jetzt t?glich am Telefon anh?ren d?rfen *hehe*.

Pps.: Mutti ist die Beste! Nach Abschluss der Pubert?t war Mutti nicht mehr ungerecht und erst recht nicht bl?d. Wollte das nur mal noch nachtr?glich erw?hnt haben.
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1 Kommentar 13.5.04 10:24, kommentieren