hallo hallo

Mein Kind hat sich gerade an seiner Schlucke verspuckt. Sagt meine Mama. Gesundheit!

15.8.08 17:34, kommentieren

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Regen und Telefonterror von der Telekom. Dinge, die der Mensch nicht braucht.

Es regnet. Seit Stunden. Es regnet hauchdünne Gardinen, schwere Perlenvorhänge, Schleier, graue Tüllbahnen sowie Hunde und Katzen.

Ich möchte mich gerne in eine kratzige Wolldecke vergraben, damit es mir noch schlechter geht. Ich hasse kratzige Wolldecken. Seit Wochen ist das Rollo in meinem Arbeitszimmer mal wieder ganz hoch gezogen. Ich will kein Licht anmachen. Statt dessen schwappt all die Tristesse von draußen herein: Dämmerlicht, das über das morgendlich Getrübte nicht hinausgekommen ist (überhaupt dazu Licht zu sagen, spottet jeder Beschreibung).

Alles regnet: Die Bäume (das liebe ich am meisten: Vom Himmel fällt kein einziger Tropfen mehr, aber stellt man sich unter einen Baum, ist man ruckzuck nass), Häuser, Regenschirme, es regnet Komplimente (im Leben der anderen, haha), aber es regnet heute absolut keine Einfälle für meine blöde Arbeit. Ich sitze davor und das einzige, das heute wirklich produktiv wurde, war die Erkenntnis, dass es einen Unterschied zwischen Stundeneröffnungen und Unterrichtseinstiegen geben muss. Na, wenn das nichts ist!

Und dann das noch: Liebe Telekom. Auch von euch hat es heute geregnet,nein, gehagelt und zwar sinnlose, dämliche Anrufe. Ich bin bei euch kein Kunde mehr! Kapiert? Ich hasse es, 5x die Woche von euch angerufen zu werden und die Frage über mich ergehen zu lassen, warum ich bei euch kein Kunde mehr bin und zu wem ich denn jetzt gewechselt habe. Das geht euch einen Dreck an! Und wieviel mich der neue Anbieter kostet, geht euch ebenfalls einen Dreck an! Und wenn ihr mich nochmal anruft, dann poste ich hier die Nummer, die von euch auf meinem Display eingeblendet ist und starte einen Aufruf zu einem Flashmob, dass freitags 11.55 Uhr alle Leute bei euch anrufen und euch sagen, dass sie kein Kunde bei euch sind und es auch nicht werden wollen und dass sie mit ihrem Anbieter, den sie euch nicht verraten, superzufrieden sind. UND ICH BIN NICHT DIE SEKRETÄRIN MEINES MANNES, DIE EUCH ALLE NASELANG ERZÄHLT, WANN ER NACH HAUSE KOMMT! DAS WEISS ICH NÄMLICH SELBST NICHT, WEIL ER MIR DAS NIE SAGT!!!

So, besser. Bloggen für die Psychohygiene ist doch was feines.

1 Kommentar 28.2.05 17:13, kommentieren

30 Jahre und endlich weiß ich, was ich für ein Persönlichkeitstyp bin. Hallelujah!

Es gibt sie noch und sie sind nicht auszurotten: Psychotests. Da ich mich heute extrem schlecht motivieren kann, meine nichtsnutzige Staatsexamensarbeit Part II zu schreiben, ist jede Ablenkung a) dringend gesucht und b) heiß begehrt (und ja, ich habe schon ein paar Seiten der Arbeit zu Papier gebracht. Ab morgen wird alles besser, da kehrt sich auch wieder das Verhältnis von Arbeitszeit zu Pausenzeit in das normale um).


So, nun also zu dem Test: Nach insgesamt 5 Fragerunden, wobei ich mich bei jeder Frage entscheiden musste, ob eher der eine Pool an Aussagen zu mir passt oder doch eher der andere, weiß ich nun, dass ich ein spontaner Idealist bin. Aha. Ja, mei, ok, warum nicht? Ich hätte vielleicht auch gesagt, ich bin ein chaotischer Traumtänzer, eine witzige Quasselstrippe, eine cholerische Stubenhockerin oder weiß der Fuchs....


Lieber Leser: Sag einmal, lässt sich die Persönlichkeit wirklich auf so eine Zweiwortüberschrift reduzieren? Ist das die Essenz? Lassen sich meine Detailverliebtheit, meine Sprunghaftigkeit, meine Trägheit (wenn es darum geht, von der Couch hoch zu kommen), meine Wuseligkeit (wenn ich vor einer Klasse stehe und gerade entdecke, dass es sich um mein Lieblingsthema handelt, das ich den Gören nahe bringe), all meine Wutausbrüche gegen meinen Mann, meinen Hang zum Rumblödeln mit meinem Söhnchen, meine niedrige Explosionstoleranz gegenüber meiner Mama und ihren wirklich guten Ratschlägen (keine Ironie! Mama hat wirklich gute Ratschläge....nur funktionieren die, denke ich immer, eher in einem anderen Leben und nicht in meinem....5 Wochen später, bums, Mama hatte recht)...wo war ich? Ach: Lässt sich all das, was jetzt nur so exemplarisch im Raum steht und charmant mit den Händen winkt, wirklich auf die Formel "Spontaner Idealist" reduzieren? Das war's? Spontan und idealistisch? Mehr gibt es in echt nicht zu meiner Persönlichkeit zu sagen? Und wenn ja, warum steht nirgendwo in einer Zeitung: "Führungsposition im Kultusministerium zu vergeben. Bewerben Sie sich bitte nur, wenn Sie ein spontaner Idealist sind."?


Ehrlich....ein "Hoch!" auf alle multiplen Persönlichkeiten! Ich beneide euch. Aber nur dies eine Mal.

1 Kommentar 28.2.05 17:13, kommentieren

2 Jahre und nur dümmer geworden. Ab jetzt wird alles anders.

Zwei Jahre (in Zahlen: 2) ist es her, dass ich hier zum letzten Mal schrob. Und was hat sich getan? Es stellten sich ein in chronologischer Reihenfolge: Eheglück, Mamaglück, Arbeits....nein, kein Glück. Das fällt eher in die Kategorie "Muss". Und zwischen damals und jetzt liegen außerdem 20 zugelegte kg, ungefähr 23 graue Haare, 112 verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank, exakt 0 Joggingversuche, 3 überzogene Leihfristen von Bibliotheksbüchern und ungezählte Nervenzusammenbrüche. Wie gesagt, ich habe ja jetzt einen Mann. Und man sagt, dass das pure Glück unkreativ macht. Das stimmt nicht. Man verplempert nur plötzlich die Zeit mit vielen anderen Dingen und spart sich die künstlerische Depression für das Luxuswochenende auf. Aber ab jetzt wird alles anders. Für die Psychohygiene und weil ich gewillt bin, alles zu versuchen. Das wahre Glück liegt nicht in der Zufriedenheit mit den eigenen Umständen, sondern im wiedergefundenen Kleinod, das man irgendwo zwischen Couch, Bier und Beine hochlegen verbummelt hat. Bequemlichkeit. Ich will wieder hungrig sein.

3 Kommentare 11.8.08 16:52, kommentieren

Ein Gruß an die verbalen Grobmotoriker

Ich habe eine Freundin und die habe ich sehr lieb. Was ich gar nicht vertragen kann, ist die Tatsache, dass verbale Grobmotoriker mit einem Schwall an Komplimenten ihr zuerst die Tür einrennen und dann sagen: "Entschuldigung. Ich hab das nicht so gemeint. Ich bezahl dir auch die Tür." So einen Typen will man dann auch nichtmal mehr zum guten Freund haben.

Liebe Männer oder zumindest die, die gerne denken, viel hilft viel: Es gibt Kommunikationskonventionen, was als nettes Kompliment gewertet wird und was durchaus als Anmachspruch durchgeht.

Ein paar Beispiele.

Nettes Kompliment: "Du siehst aber heute hübsch aus. Schöner Schal."
Anmache: "Griselda, du bist ausnehmend schön!"

Nettes Kompliment: "Mit dir hat man echt Spaß."
Anmache: "Du bist so eloquent, ich komm gar nicht los von dir!"

Nettes Kompliment: "Ach, der Abend heute mit dir war echt schön. Das nächste Mal gehen wir dann in die Cocktailbar, von der du vorhin erzählt hast."
Anmache: "Der Abend heute mit dir war wundervoll. Bitte, wann darf ich dich wiedersehen?"


Wer nach einer Salve der letztgenannten Komplimente sich anschließend wundert, dass die Frau sich Hoffnungen macht und arg enttäuscht ist, wenn der Spruch "Lass uns Freunde sein" kommt, hat definitiv die falschen Signale verschickt! Es gibt nicht nur die Pole "rüpelhaft" und "ausnehmend charmant"! Es geht auch, wenn man(n) sich einfach nur gut erzogen benimmt und nicht den gesamten Weg mit Honig auskleistert. Dann hilft es rein gar nichts, der Frau Naivität zu unterstellen und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen, dass da irgendwas falsch interpretiert wurde! Also, geht doch bitte nicht immer mit der Axt in den Wald, fällt einen Baum und stellt dann fest, dass ihr doch eigentlich genügend Feuerholz habt und den Baum nicht braucht. Ein entspannter Spaziergang reicht manchmal durchaus.


Moralpredigt beendet.

2 Kommentare 29.3.06 14:10, kommentieren

Böser Einkaufsbummel

Für alle, die es noch nicht wissen (und das dürften einige sein - die interessiert es möglicherweise noch nicht einmal - mir doch Wurscht!): Ich bin sowas wie ein gefüllter Pfannkuchen. Also, mit Marmelade. Nur heißt bei mir die Marmelade Knöpfchen, Murkel, Trampeltier oder Boxwurst. Für alle Nochimmeraufdemschlauchsteher: Ich bin schwanger.

Nun passiert es, dass bestimmte Klamotten nicht mehr passen und man zumindest Hosen neu kaufen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass im Mai auch noch mit dem Knopfpapa die Hochzeit ansteht und ein Kleid dafür her muss. Also war heute Einkaufsbummel angesagt und es war DEPRIMIEREND!!!

Wenn man schwanger und zudem noch dick ist, hat man keine Chance, elegante Klamotten zu bekommen. Entweder gibt es keine Abteilung für Umstands- oder Übergrößenmode oder es gibt so eine Abteilung, aber keine elegante Umstandsmode resp. Vergleichbares in Übergröße. Trend diese Saison: Hochwasserhosen in schlammgrün oder braun, eng anliegend bis zu den Kniescheiben, Oberteile in Zeltoptik, oder so knalleng, dass man auch ganz ohne gehen kann. Angezogen ist man damit nicht. MAN SIEHT IMMER AUS WIE 200 PFUND LEBERKÄSE!!!

Simones Rat dann heute: "Doris, hast du nicht nach der Größe Z gefragt?" Ich: "Z?" Simone:"Na Zelt!" Ich: "Ja, stimmt. Ich kann zur Hochzeit natürlich auch als Zirkus gehen...." Dann hab ich wenigstens mal wieder gelacht.


Empfehlung an alle Schwangeren: Meidet WÖHRL, Karstadt und Peek und Cloppenburg. Ich hab da heute aus Versehen nach entsprechenden Abteilungen für mich gefragt. Die Gegenfrage der Verkäuferinnen: "Sie suchen bitte WAAAS???"


Ansonsten geht es dem Nachwuchs gut. Er liegt wachstumsmäßig voll im Durchschnittswert, hat alle Gliedmaßen und Organe und strampelt ordentlich rum. Nur ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, werden wir erst in 5 Monaten erfahren. Ein wenig Überraschung soll noch bleiben.

1 Kommentar 23.3.06 18:56, kommentieren

Zur Stressbewältigung

Heute hatte ich einen Termin bei der Agentur für Arbeit formally known as Arbeitsamt. Diese Agentur hat vor einiger Zeit hier in Dresden ein neues Gebäude spendiert bekommen, das auf hinreißende Art und Weise liebevoll mit hunderten Zetteln ausdekoriert wurde. Die sind auch dringend notwendig, da das Gebäude an sich labyrinthisch angelegt ist. Auf den Zetteln stehen dann so Hinweise wie „Wartezone für Trallahoppsassa”, wobei der Bereich von Trallahoppsassa leider erst 5 Ecken später losgeht und der Bittsteller buchstäblich wie bestellt und niemals abgeholt dasitzt.
Ich war heute 13 Uhr bestellt. Ich verließ dann 14 Uhr die Wartezone (leicht rötliche Wangenfärbung). Bis dahin hatte ich eine komplette Strategie entwickelt, wie die Agentur für Arbeit formally known as Arbeitsamt moderner, schlanker, konsumorientiert und kundenanziehender werden kann. Es geht los mit Merchandising-Artikeln wie t-shirts, Schlüsselbändern, Schlüsselanhängern, (Achtung, erster Brüller) Portemonnaies, (Achtung, zweiter Brüller) Uhren und (nicht so der Brüller) Schlafsäcken. Da ich letztens lernte, deutsche Werbung müsse dringender noch lustiger werden, bastelte ich die Rohversion des ersten Werbeslogans, der sich auch noch reimt. Achtung, hier kommt er:

Das sind alles riesengroße
Ar.......beitslose, Arbeitslose.


Ich arbeite weiter daran.

Es war also 14 Uhr, als ich dann selbständig das Zimmer meines Sachbearbeiters aufsuchte. Ich klopfte, er machte auf, ich sagte meinen Namen, darauf er: „Sie kommen aber spät.”
Ich: „Äh, man hat mir an der Information gesagt, ich solle mich in den Wartebereich setzen, Sie würden mich dann holen!”
Er: „Achso, nein, in welchem Wartebereich saßen sie denn?”
Ich: „Wieviele gibt es denn? Ich saß in dem, der mit 'Wartezone für das Team akademische Berufe' bezeichnet ist.”
Er: „Ach, das ist der am ganz anderen Ende. Nein, sie müssen hier vorne warten.”
Ich: „Und wie heißt der Wartebereich?”
Er: „Der hat keinen Namen.”
Ich: „Ja, aber die an der Information hatten mir gesagt, ich solle mich in den Wartebereich setzen, der 'Wartezone für das Team akademische Berufe' heißt.”
Er: „Dann war das falsch.”

Tolle Einsicht, ich durfte rein. Da das ein Beratungsgespräch sein sollte, erklärte mir der Herr erstmal, was der Unterschied zwischen arbeitssuchend und arbeitslos ist, dann erfuhr ich, dass ich kein Arbeitslosengeld I bekomme, sondern maximal Arbeitslosengeld II, dieses aber erst beantragen könne, wenn der Antrag auf Arbeitslosengeld I abgelehnt wurde, den Antrag auf Arbeitslosengeld II kann ich aber auch nicht einfach so abgeben, dafür bräuchte ich einen Termin und ~Lufthol~ das kann dauern. Ah ja. Noch was? Ach ja, bei der Zeugnisvorlage kam die Aussage: „Na, Deutsch ist ja nicht so ihr Spezialgebiet, wenn ich mir mal die Note anschaue.” Bei dem Satz war ich dann schon dezent lila im Gesicht.

Ich: „Wissen Sie, ich bin mit der Note auch nicht allzu glücklich. Ich hab meine letzten Prüfungen nicht mehr allzu gesund absolviert. Ist jetzt aber auch Wurscht, da ich einen Abschluss habe.”
Er: „Wie sieht es denn mit dem Referendariat aus?”
Ich: „Ich hab mich beworben und wurde abgelehnt. Deutsch ist von der Zulassung nahezu gesperrt.”
Er: „Und was machen Sie da jetzt?”
Ich: „Äh.....Arbeit suchen? Hallo? Bin ich hier richtig?”
Er: „Naja, füllen Sie erstmal den Antrag auf Arbeitslosengeld I aus. Den geben Sie dann hier ab. Der wird auch innerhalb von ein paar Tagen abgelehnt. Dann bekommen Sie den Antrag auf Arbeitsl…”
Ich: „Ja, das haben Sie mir schonmal erzählt. Aber ich bin nicht in erster Linie hier, um Arbeitslosengeld Nummerwasweißich zu beantragen, sondern weil ich Arbeit suche! Sie haben meine Unterlagen, ich habe alles ausgefüllt, ich habe mein Zeugnis vorgelegt mit meinem Abschluss und jetzt suche ich Arbeit und kein Arbeitslosengeld.”
Er: „Ja, aber wir haben auch nichts. Sie können nur das Arb..”

Ich hab den Rest nicht mehr gehört. Der Mann begleitete mich noch zu Team 311, die mir dann wenigstens die Formulare für die Arbeitslosengelder aushändigten.
Da hab ich mich nun die letzten Tage durch Broschürenstapel gekämpft, Formulare ausgefüllt, auf denen ich gefragt wurde, welche beruflichen Alternativen ich mir vorstellen könnte, habe alle meine Interessen aufgeschrieben nebst Fragen, die ich an den Berater hatte und was erzählt der mir gebetsmühlenartig? Wie ich die frühere Sozialhilfe beantrage! Ja, bin ich mit meinem Abschluss eine vernünftige Beratung nicht mehr wert? Nichts von wegen „Wir haben da hier so Veranstaltungen mit Bewerbungstraining” oder Vergleichbares. Nein! Die einzige wertvolle, verwertbare Information aus dann mittlerweile 2 1/2h war: „Im BIZ liegt eine Broschüre mit aufgelisteten Berufs- und Privatschulen. Da gibt es auch Schulen für Gestaltung. Schicken Sie dort mal eine Bewerbung hin.”

Warum haben eigentlich, wenn schon Arbeitnehmer eine Meldepflicht haben, Arbeitgeber keine Meldepflicht über freie Stellen? Wär das nicht praktisch, wenn solche Informationen dem Arbeitsamt vorliegen würden, damit die Arbeitslosen, die im Idealfall auch Arbeitssuchende sind, vielleicht schneller wieder an einen Job kommen? Wenn sich das mal durchsetzen ließe, hätte diese Scheißagentur auch eine sinnvolle Daseinsberechtigung! Sonst könnte ich dem 1. Satz, den ich heute von einem total entnervten Mann im Fahrstuhl hörte (nämlich: „Die Leute, die hier arbeiten, sollten mal nicht so eine Fresse ziehen und mich anscheißen, weil ich in der verkehrten Abteilung gelandet bin. Die können froh sein, dass es Arbeitslose gibt.”) nur zustimmen.

Die Verschwörungstheorie, dass die Agentur für Arbeit formally known as Arbeitsamt ein echtes Interesse an Arbeitslosen hat und lieber Arbeitslosengeld II vermittelt statt Arbeit, bastel ich mir dann bei meinem nächsten Termin in der bekloppten Hütte zurecht. Ich gehe davon aus, dass ich wieder ein paar Stunden dort verbringen werde.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Den letzten Satz, den ich heute in diesem Etablissement hörte, war: „Und melden Sie sich aber sofort, wenn Sie Arbeit haben!” Jawoll! Werde ich tun! Und dann erzähl ich euch Flachpfeifen gerne mal, wie man Arbeit findet! Schritt 1: Lass die Beratung beim Arbeitsamt sein und nutz die 2 1/2h dazu, die Jobbörsen im Internet weiter zu durchkämmen und Bewerbungen zu verschicken!

Mahlzeit.

1 Kommentar 1.9.05 19:43, kommentieren

Tag am Meer

Heute sah ich, wie sich der Himmel in Trauergrau ins Meer stuerzte.

Ich stand dabei mit den Fuessen eingegraben im Sand, Wasser bis zu den Waden und Salzwind im Gesicht. Hinter mir liefen aufgeregt Moewen ueber den Strand. Wenn eine Welle kam, zogen sie die Beine an und schwammen an mir vorbei oder liefen vor dem Wasser weg.

Ich versuche fuer einen Augenblick, mir Autolaerm, Grillbudengestank und Stimmengewirr vorzustellen. Es gelang mir nicht. Das Rauschen des Meeres habe ich jetzt, wieder in der Grossstadt sitzend, noch genau im Ohr. Auch den Selbstmordhimmel seh ich genau vor mir: Wolke um Wolke, deren ausgefranste Raender ins Meer zu tunken scheinen, dort, wo ein Schiff schon seit Stunden wie festgenagelt am Horizont klebt.

Etliche Kilometer bin ich heute gelaufen: Vor mir ein kleines Maedchen, das erst auf das Wasser zu und mit jeder neuen Welle kreischend wieder in Richtung Strand lief. Wie die Moewen vorhin. Ich habe Urlaub. Ich kann heute darueber laecheln und mit ihr gemeinsam vor der naechsten Welle fluechten. Sie lacht. Es dauert ca. 2 km, bis ich ein gedankenverloren freundliches Gesicht mache und nicht mehr duester mit zusammengezogenen Augenbrauen Meter fuer Meter zuruecklege. Der nasse Sand kratzt an den Fusssohlen und zwischen den Zehen, und mit den Fersen sinke ich bei jedem Schritt ein. In den Haenden halte ich gesammelte, nasse Steine und mit den Augen suche ich immer wieder nach neuen Fundstuecken. Dann komme ich heim mit vollgestopften Taschen, in denen es klappert und raschelt. Meine Schaetze von diesem Tag: Diesen Stein fand ich dort, wo die Moewen auf den Fischerbooten thronten. Dieser Stock schwamm mir entgegen, als eine Welle mir das linke Hosenbein durchnaesste und ich mich umdrehte, damit die naechste Welle auch noch das rechte Hosenbein erwischt. Diese Muschel habe ich zum Tausch mitgenommen, als ich eine noch lebende Muschel fand, die ich aber wieder zurueck ins Meer geworfen habe. Ich bin mir sicher, sie wurde ein paar Minuten spaeter wieder an den Strand gespuelt.

Ich habe mir heute ein Stueck Gelassenheit erlaufen und Zeit zurueck gewonnen. Ich habe die Langsamkeit fuer mich entdeckt und bin endlich den Krampf aus dem Nacken losgeworden.

Heute denke ich noch nicht daran, wieviele Tage mal von diesem einen zehren muessen.

6.8.05 09:29, kommentieren

Ein Hut voller Glueck

Nach Monaten heute mal wieder ein Eintrag und zwar von ganzweitweg: Madame befindet sich nach 8 Jahren des festen Verharrens in den eigenen 4 Waenden im Urlaub und zwar in Gdansk.

Untergracht bin ich mit Simone in einer Jugendherberge, die sonst das ganze Jahr ueber als Internat genutzt wird. Nur von Juli bis August dient es als Herberge. Von auszen sieht es aus wie ein windschiefes Buecherregal, bei dem die Boeden arg durchhaengen. Von innen sieht es genauso aus. Nur etwas charmanter.

Nun ein paar Insider: Ich bin mit dem Studium fertig, es stellte sich juengst heraus, dass ich gesund bin und ich habe seit ein paar Wochen einen wundervollen Mann an meiner Seite. Das Leben ist eins der schoensten!

3 Kommentare 2.8.05 22:45, kommentieren

11.04.2005



Für alle



Dem Andenken meines Vaters

für Birgit

und Ihnen, sehr verehrter Herr Professor K.,

zu Dankbarkeit

und meiner Frau Petra.



Dem Andenken meiner Mutter

und meiner Frau Carmen

und für meine Mutti

meiner Mutter.



Dem Andenken meiner Eltern

Für Claudia

V.Ž. in Freundschaft

und in Dankbarkeit für

zwei Jahrzehnte

wissenschaftlicher Zusammenarbeit.

Für meinen Sohn Franz Benedikt.







Es ist ein Auszug aus einer Sammlung an Widmungen, die ich im Laufe des letzten Jahres in Büchern fand. Wie lese ich ein Buch? Schaue ich es von vorn bis hinten an? Wer nimmt eigentlich so eine Widmung wahr? Warum bekommen hunderte von Müttern extrem langweilige Bücher über Romantheorie, Wortbildung und Sprachgeschichte gewidmet? Da steht: Für meine Mutter. Dies steht in hunderten von Büchern. In dem Moment wird die wohl wichtigste Bezugsperson im Leben eines Menschen vollkommen abstrakt. So auf dem Papier, in einem Buch, in einer Widmung sieht eine Mutter aus wie die andere.



Nächster Punkt: Der Grund einer Widmung. Warum bekommt überhaupt irgendjemand, der weder als Autor noch als Herausgeber im Titel erwähnt wird, ein Buch gewidmet?

An dieser Stelle offenbart sich ein Stückchen privater Geschichte, das aber nicht erzählt wird, sondern maximal vom fremden Leser erahnt werden kann. Da steht: Für meine Frau Carmen. Ok, sie ist schon weniger abstrakt als die Widmungsmütter. Aber was hat sie mit dem Buch zu tun? Hat sie den Autor inspiriert? Korrektur gelesen? Ihm während dessen ein Kind geboren? Oder ist sie gar, während das Buch geschrieben wurde, verstorben und dies soll der letzte Gruß an sie sein? Was steckt dahinter?



Meine Vorstellung: Da steht irgendwo ein Mensch mit einem Buch in der Hand, lächelt versonnen über die dritte Buchseite, streicht mit der Hand darüber und ist gerührt über die an ihn gerichtete Widmung. Wenn der Verfasser Glück hat, stehen zur selben Zeit und später hunderte von Menschen ebenso wie der eine mit dem Buch in der Hand, nehmen möglicherweise die Widmung wahr, kennen aber weder eine Carmen noch eine Petra und all die Mütter schon gleich gar nicht. Aber es wird als eine liebe Geste des Verfassers erkannt, als Dankbarkeit decodiert, es wirkt in jedem Falle sehr herzlich. Dieses eine Buch gehört einem einzigen, ganz besonderen Menschen. In jeder Widmung steckt eine ganz besondere Form von Gedächtnis. Es ist privates Gedächtnis und Identität, das in dem Moment der Veröffentlichung und mit Wahrnehmung durch Fremde öffentlich wird. Aber jede Widmung wird nur dem Wortlaut nach öffentlich. Der Sinn bleibt privat. So hat jedes Buch, das irgendwem gewidmet wird, eine kleine versiegelte Stelle. Bei allem Kommerz und Rechten am Buch, die auf verschiedene Leute aufgeteilt sind, hat der Autor ein kleines Stück Biographie in jedem Buch gelassen: Durch Mutti, Carmen und Franz Benedikt.









Wenn das hier einer liest und eine besonders schöne Widmung in einem Buch gefunden hat, dann hier auflisten und Buch + Verfasser dazu schreiben. Mit etwas Glück wird das mal eine andere Art von Bibliographie.

6 Kommentare 11.4.05 11:30, kommentieren