Manchmal passiert es ja, dass einem eine Rechnung durch die Lappen geht. So ist es mir passiert. Ohne Mahnungen und dergleichen flatterte dann ein Inkasso-Schreiben ins Haus. Na ja, auch das kann passieren. Ärgerlich, aber was soll es. Also, Rechnung bezahlt, heute das nächste Schreiben. Ich hätte immer noch nicht gezahlt. Hm. Stimmt nicht. Haben die eine Telefonnummer? Ja. Also, rufe ich da an.
Beginn des Gesprächs: Ich habe Rechnung bezahlt, die am anderen Ende sagt ok, ja, Datenabgleich, Forderungsnummer, usw., ja, das kann ein paar Tage dauern, bis das Geld eingeht, betrachten Sie erst einmal das Schreiben als gegenstandslos. Und dann kam etwas, auf das ich nicht vorbereitet war.
Sie: "Sagen Sie, Frau Krauße, sind sie verheiratet?"
Ich: "Äh, ja."
Sie: "Leben bei Ihnen unterhaltspflichtige Kinder im Haushalt?"
Ich: "Äh.....jaaaaaa."
Sie: "Wieviele denn?"
Ich: "Sagen Sie mal, wozu wollen Sie das denn wissen?"
Sie: "Wir sind von dem Unternehmen, das uns die Fordernungen an Sie überlassen hat, angewiesen worden, diese Daten zu erfassen."
Ich: "Und wozu braucht das Unternehmen die Daten?"
Sie: "Weiß ich nicht. Aber die Daten werden nicht weiter gegeben."
Ich: "Ja, aber was passiert denn dann mit den Daten, wenn die nicht weiter gegeben werden?"
Sie: "Ja, keine Ahnung."
Ich: "Kann ich die Auskunft auch verweigern oder bin ich verpflichtet, Ihnen diese Daten zu geben? Und werden die Daten auch bei Ihnen dauerhaft gespeichert? Ich meine, was will denn IHR Unternehmen mit meinen Daten?"
Sie (patzig): "Ja, wir müssen jetzt nicht darüber diskutieren. Wenn Sie die Fragen nicht beantworten wollen, dann können wir das Gespräch jetzt auch beenden."
Ich: "Ja, ok, nichts dagegen."
Die Frage bleibt: Was will ein Inkassounternehmen mit meinen Daten? Wozu brauchen die meinen Familienstand, die Anzahl der Familienmitglieder? Ob die am Ende daran errechnen können, ob ich Pickel am Hintern habe? Schade nur, dass ich erst bei der dritten Frage geschaltet habe.
Liebe Inkassounternehmen. Ich habe keine Pickel am Hintern. Ich schlafe gerne lange, fahre total auf Leberwurst ab und habe ab und an unanständige Träume. Einmal im Monat rasiere ich mir meinen Damenbart und wenn ich allein auf der Straße bin, lasse ich auch mal gelegentlich einen fahren. So. Reicht das? Ich gedenke übrigens, wahrscheinlich noch ein weiteres, unterhaltspflichtiges Kind in die Welt zu setzen und eine Scheidung von meinem Mann steht nicht zur Debatte. Und ich bin eine arbeitsscheue Hausmutti mit Putzfimmel! Bäh!
Zuerst: Ich wiege zwar keine 100kg, bin aber noch nahe dran. Und ich werde dieses Jahr 32. Ich habe einen dreijährigen Sohn, der seit August in den Kindergarten geht. Ich esse gern. Am liebsten ungesund. Daher auch der erste Satz. Und ich fühle mich schon seit geraumer Zeit nicht mehr wohl. Ich bin mit einer Familie gesegnet, der meine Figur mehr zu schaffen macht als mir selbst. Und das macht mir zu schaffen, wenn man ständig gefragt wird: ".....und du bist wirklich nicht schwang? Gaaaaanz sicher??"
Startschuss für das umgekrempelte Leben fiel im Sommer. Zuerst kaufte ich mir ein Fahrrad, dann aß ich nur noch Vollkornbrot. Seit dem purzeln die Viertelpfunde. Allerdings stand das Fahrrad in letzter Zeit doch wieder nur rum und es fehlte der Anlass, mehr zu fahren. Also kauften wir einen Fahrradanhänger für Kinder, so dass ich den Bengel früh mit dem Fahrrad in den Kindergarten bringen kann. Gesagt, getan. Heute fuhr ich nun das erste Mal mit dem Ding. Für Dresdner Verhältnisse ist die Strecke zwischen Wohnung und Kindergarten sogar relativ eben, ich kam trotzdem mit einem Puls von gefühlt 180 am Kindergarten an. Etwas abgehetzt lieferte ich den Bengel bei seiner Gruppe ab und erkundigte mich bei seinem Erzieher (sic!), wann ich heute zur Schlafwache erscheinen soll und wo ich den Anhänger anschließen kann. Leider ist für Regentage eine Unterstellmöglichkeit für den Wagen nicht vorgesehen, wozu ich mein Bedauern ausdrückte. Darauf sagte sein Erzieher: "Wollen Sie denn auch bei Regen Rad fahren?" Ich wies mit verzweifeltem Blick und hektischen Handbewegungen auf Hüfte, Bauch, Beine, Po, also auf die gesamte Problemzone ab Hals abwärts, worauf er antwortete: "Ach Käse, Sie sind halt so."
Diesen Mann hätte ich gerne als Gegengewicht in meiner Familie. Warum bringt keiner von meiner buckligen Verwandtschaft diese Gelassenheit mit?! Vor allem: Lasst mir doch bitte mal etwas Zeit! Ich würde mich gerne wieder gesund in den Griff bekommen....
Fazit: Rad fahren mit johlendem Kind hinten im Anhänger dran macht total viel Spaß. Es ist zwar auch echt schwer, das ganze Gespann von der Stelle zu bekommen, aber ich hab es ohne Kollaps geschafft. Yeah! Und liebe Familie: Quält mit euren Neurosen doch bitte ab sofort den Briefträger oder euren Friseur.
Warum macht man Urlaub? Richtig! Um sich zu bilden. Das erfuhr ich:
1. Leipe ist ein Rentnerdorf. Es führt eine Straße hinein und keine wieder heraus. Sprich: Es handelt sich um eine Sackgasse. Am Ende dieser Sackgasse befindet sich ein Bootsverleih. Mit einem ausgeliehenen Boot kommt man dann über den Jordan.
2. Alle befahrenen Spreewaldstraßen haben nur eine Spur, die man sich mit dem Gegenverkehr teilen muss. Entgegen der sonstigen brandenburgischen Straßen sind die Spreewaldstraßen aber nicht schnurgerade sondern sehr gebogen. Das macht eine Autofahrt schön abenteuerlich.
3. Spreewaldbäume haben Selbstmordneigung.
4. Der Spreewald ist ein gerissenes Touristikunternehmen. Da wohnt nämlich keiner.
5. Ich war bisher nur eine Woche da, deswegen hab ich leider noch nicht mehr gelernt. Ich muss da also wieder hin.
Es ist Montag. Mein Sohn klebt an mir, macht die Augen zu und tut so, als wäre er nicht da. So könnte ich ihn ja nur schwer bei der Tagesmutter lassen. Er ist ja gar nicht hier und vielleicht merkt es Mama nicht, wenn sie mit fast 12kg immer noch um den Hals hängend nach Hause kommt und sich ins Bett legt, weil sie krank ist. Er täuscht sich. Ich merke es wohl und pflücke ihn so langsam von mir ab. Mit schwer enttäuschtem Gesicht nimmt er es hin. Ein kleiner Weltschmerz, der schnell vorüber ist. Als ich vor der Tür stehe, höre ich ihn schon wieder lachen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ja, mein Schatz. Jetzt nimmt man dir dein Kindsein noch ab. Werd mal 20 Jahre älter, dann wird dich jede Frau für genau dieses Verhalten ein mieses Schwein schimpfen.
Bei der Lektüre einiger Internetforen oder wenn ich abends völlig lethargisch vor dem Fernseher hänge und mir eine um die andere Blockbusterliebesschnulze reinziehe, überfällt es mich dann doch (und dabei hat es schon die ganze Zeit mit dem gesamten Zaun auf mich eingeprügelt): Welcher Schwachkopf hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass ein zivilisierter Mann, der gleichzeitig bitte auch attraktiv, gebildet und wohlhabend sein sollte, ab sofort mit einer weichen Schale und einem weichen Kern ausgestattet sein soll? Welcher Vollidiot hat dieses Märchen in die Welt gesetzt, dass er auf Kuschelsex stehen und über seine Gefühle reden sollte, weil sie dann dahin schmilzt und sich verstanden fühlt? Welcher Hirni hat den Schwachsinn in Umlauf gebracht, dass Frauen das Kind im Manne lieben? Und wer, zum Henker!, hat davon gefaselt, dass unsere Männer dann ein Hauptgewinn sind, wenn sie außerdem zu all ihren anderen Qualitäten auch noch den job der besten Freundin übernehmen können? Will hier etwa jemand einen Romantiker?!
Ich stelle mir ein Leben mit solch einem Mann folgendermaßen vor: Der Tag beginnt damit, dass ich aufwache. Logisch. Und da wir uns nicht in einer Hollywoodschmonzette befinden, sondern in meinem Bett, bin ich noch nicht geschminkt und habe auch keine geputzten Zähne. Aber der Sechser im Lotto neben mir möchte gerne kuscheln. Nein! Ich schiebe ihn sanft zur Seite. Im Gegensatz zu mir ist er nämlich geschminkt und mit der Zahnbürste im Mund aufgewacht und riecht nach einem Meer aus Blumen und Aprilfrisch, während sich auf meiner Zunge noch wohlig ein Pelz räkelt. Nein, Quatsch.
Ich stehe also auf. Ich weiß nicht, wie es passiert ist und wie er vor mir in der Küche sein konnte, aber ich stehe im Flur und erhasche einen Blick auf den Tisch, der fast unter der Last an Rosen, Champagner, Croissants, Butter und Erdbeeren zusammen bricht. Ich schaue an mir herunter, zähle all meine Speckrollen und entscheide mich für Kaffee schwarz mit Zigarette ohne Butter. Auf dem Balkon. Ein paar Stunden darauf sagt der Blick in den Kühlschrank, dass der Einkauf noch ansteht. Also sacke ich den Mann mit ein (irgendwer muss doch meinen Bierkasten schleppen) und auf geht es. Was den Einkaufsbummel immer besonders anstrengend macht: Das Goldstück liebt es, sich hinter Regalen zu verstecken, wenn ich es mal kurz aus den Augen gelassen habe und mich dann laut kreischend zu erschrecken. Wenn ich dann erbost sage: „Man, lass den Scheiß!“, sagt er: „Ich dachte, du magst meine kindliche Seite…“ Ja klar, mag ich die! Wenn du nachts im Schlaf am Daumen lutschst oder wenn ich dich mit einem Eis vor dem Fernseher parken kann, damit ich etwas Zeit für mich habe! Aber so einen Käse mag niemand! Wirklich! NIEMAND!!
Der Einkauf ist also geschafft. Ich darf fahren (Emanzipation, yeeha!) und wir laden gemeinsam die Einkäufe aus. Während dessen schwallt er mir die Ohren voll, dass X wieder eine Neue hat, Y voll der Versager ist, seine Mutter immer noch ganz sauer ist, dass es jetzt eine andere Frau in seinem Leben auf Platz 1 gibt und Madame Z mit der neuen Frisur aber ganz, ganz elend ausschaut. Außerdem hat sie zugenommen und ach, übrigens, Frau B. sollte mal ganz froh sein, dass sie diesen fürchterlichen Macho an ihrer Seite los ist. Der war ja grauenvoll. Ich horche auf. Da läuft wieder ein Macho frei rum? Ehrlich?
Bis zum Abend habe ich mir dann ca. 300 Mal anhören müssen, dass er auch mal gerne wieder verführt werden oder zumindest gerne kuscheln möchte, dass der neue Lyriksammelband „Ein bunter Rosenstrauch an Poesie“ ganz oben auf seiner Wunschliste für Weihnachten steht und dass er mal wieder meine Mutter anrufen muss, weil ihm ihr Hackbraten so irre fehlt.
Es schüttelt mich. Alle Errungenschaften der Metrosexualität und Emanzipation gemeinsam würde ich gerne verkaufen für ein Stück unsensiblen Neandertaler. Ich möchte alle sogenannten Frauenversteher zum Teufel jagen oder ihnen zumindest sagen: „Du verstehst gerade die falsche Frau! Pack deinen ganzen Romantikmüll von vorvorgestern ein, nimm deine Rosen und deinen rasierten Waschbrettbauch, ich will einen Mann, der auch mal nach Schweiß stinkt, faul in einer Ecke hockt und vor Begeisterung grunzt, wenn ich ihm ein blutiges Steak in seinen Fressnapf klatsche!“ SO ein erhebendes Gespräch über Literatur ist zwar manchmal ganz nett, aber ich will auch an den Haaren in eine Höhle geschliffen werden (und zwar alle 100kg von mir!).
Zumindest ein Stück Verweicheierung ist uns bisher noch erspart geblieben und ich fürchte, wenn ich es schreibe, wird es mir spätestens morgen ein Mann in die Ohren jammern. Ich habe noch nie einen Mann rumheulen hören: „Meine Frau versteht mich einfach nicht.“ Vielleicht ist ja genau dies das große Geheimnis: Wir müssen uns gar nicht gegenseitig immerzu verstehen. Steckt nicht auch in dem leisen Fensteröffnen, wenn er nachts unter der Bettdecke einen fahren lässt, ganz viel Liebe?
Prinzessin, bleib so, wie du bist. Zerknüll den blauen Zettel. Merk dir nur eins: Wenn ich dich wieder anknurre, dann nimm mich mal kurz in den Arm. Alles andere kannst du wieder vergessen. Ich liebe dich.
"Der Herr ist mein Hirte, er wird mich leiten." Das habe ich mir heute früh gesagt nach all den Strapazen der letzten Woche.
Die Schule hat wieder begonnen. Montags ist es besonders arg: Fünf Stunden (für einen Anfänger ein echter Knaller), unfreundliche und rumbrüllende Leute (Chefs unter sich im erbitterten Kompetenzgerangel) und ich dazwischen und auf meinem Rücken wird alles ausgetragen. Es gibt für Referendare einen Seminartag (für mich der Donnerstag). Seit letzter Woche - da waren schon alle Stundenpläne geschrieben und mein Einsatz fest geplant - kam plötzlich die Meldung: Ab sofort auch montags Seminartag. Schule lehnte Änderungen meines Stundenplans ab, so dass ich mich hätte zerreißen müssen zwischen Unterrichten und Seminar. Was tun?
Nachdem letzte Woche wegen dieses Planungsfehlers mich nun jeder einmal angebrüllt hatte und ich, eigentlich mit einem starken Nervenkostüm gesegnet, dann doch mal in Tränen ausbrach, war heute Tag X da. Vom Schulleiter zum Unterrichten abgeordnet, kam ich nun diesen Pflichten nach. Früh saß ich dann in der Schule und da kam es mir in den Sinn: "Der Herr ist mein Hirte, er wird mich leiten." Und es kam wundersam! Ich hatte heute absolut zuckersüße Schüler vor mir sitzen, mit denen ich 5 Stunden herzlich gelacht habe und Spaß hatte. Dann zeichnete eine Schülerin zum Thema "Bildergänzung" (ich hatte bei einer Radierung von Dürer mit dem Titel "Adam und Eva" die Eva überklebt und die Schüler sollten auf dem weißen Platz etwas ergänzen) neben Adam ein Einhorn. Für alle Uneingeweihten: Im Mittelalter galt das Einhorn als Symbol für Jesus, da es das reinste Tier war. Nun ziehen wir die Parallele: Adam und Eva, Sündenfall, Jesus, Vergebung der Sünden. War ein Zufall, dass die Schülerin das zeichnete, aber ich war wie vom Donner gerührt. Am späten Nachmittag vermeldete dann das Seminar "Kommando zurück" und verlegte mein Seminar wieder auf Donnerstag.
Es war ein guter Tag. Danke, Herr!
Was ich vorhin nicht geschafft habe: Dauerhaft haltende Gesundheit, Jackenhenkel und Hosenknöpfe (wenn du wüsstest, wie sehr es mich nervt, wenn Hosenknöpfe abplatzen und die Aufhänghenkel bei Jacken abreißen und die auch keine Kapuzen haben, an denen man sie aufhängen kann.....argh! Und wie nennt man die Aufhänghenkel bei Jacken eigentlich wirklich??), Glück in der Liebe haste ja und einen wunderbar süßen Sohn und das mit der vielen Kohle wird auch noch :-)
Alles, alles Gute, Simone. Zum 29. Geburtstag. 29b.
Mein Kind hat sich gerade an seiner Schlucke verspuckt. Sagt meine Mama. Gesundheit!
Es regnet. Seit Stunden. Es regnet hauchdünne Gardinen, schwere Perlenvorhänge, Schleier, graue Tüllbahnen sowie Hunde und Katzen.
Ich möchte mich gerne in eine kratzige Wolldecke vergraben, damit es mir noch schlechter geht. Ich hasse kratzige Wolldecken. Seit Wochen ist das Rollo in meinem Arbeitszimmer mal wieder ganz hoch gezogen. Ich will kein Licht anmachen. Statt dessen schwappt all die Tristesse von draußen herein: Dämmerlicht, das über das morgendlich Getrübte nicht hinausgekommen ist (überhaupt dazu Licht zu sagen, spottet jeder Beschreibung).
Alles regnet: Die Bäume (das liebe ich am meisten: Vom Himmel fällt kein einziger Tropfen mehr, aber stellt man sich unter einen Baum, ist man ruckzuck nass), Häuser, Regenschirme, es regnet Komplimente (im Leben der anderen, haha), aber es regnet heute absolut keine Einfälle für meine blöde Arbeit. Ich sitze davor und das einzige, das heute wirklich produktiv wurde, war die Erkenntnis, dass es einen Unterschied zwischen Stundeneröffnungen und Unterrichtseinstiegen geben muss. Na, wenn das nichts ist!
Und dann das noch: Liebe Telekom. Auch von euch hat es heute geregnet,nein, gehagelt und zwar sinnlose, dämliche Anrufe. Ich bin bei euch kein Kunde mehr! Kapiert? Ich hasse es, 5x die Woche von euch angerufen zu werden und die Frage über mich ergehen zu lassen, warum ich bei euch kein Kunde mehr bin und zu wem ich denn jetzt gewechselt habe. Das geht euch einen Dreck an! Und wieviel mich der neue Anbieter kostet, geht euch ebenfalls einen Dreck an! Und wenn ihr mich nochmal anruft, dann poste ich hier die Nummer, die von euch auf meinem Display eingeblendet ist und starte einen Aufruf zu einem Flashmob, dass freitags 11.55 Uhr alle Leute bei euch anrufen und euch sagen, dass sie kein Kunde bei euch sind und es auch nicht werden wollen und dass sie mit ihrem Anbieter, den sie euch nicht verraten, superzufrieden sind. UND ICH BIN NICHT DIE SEKRETÄRIN MEINES MANNES, DIE EUCH ALLE NASELANG ERZÄHLT, WANN ER NACH HAUSE KOMMT! DAS WEISS ICH NÄMLICH SELBST NICHT, WEIL ER MIR DAS NIE SAGT!!!
So, besser. Bloggen für die Psychohygiene ist doch was feines.
Es gibt sie noch und sie sind nicht auszurotten: Psychotests. Da ich mich heute extrem schlecht motivieren kann, meine nichtsnutzige Staatsexamensarbeit Part II zu schreiben, ist jede Ablenkung a) dringend gesucht und b) heiß begehrt (und ja, ich habe schon ein paar Seiten der Arbeit zu Papier gebracht. Ab morgen wird alles besser, da kehrt sich auch wieder das Verhältnis von Arbeitszeit zu Pausenzeit in das normale um).
So, nun also zu dem Test: Nach insgesamt 5 Fragerunden, wobei ich mich bei jeder Frage entscheiden musste, ob eher der eine Pool an Aussagen zu mir passt oder doch eher der andere, weiß ich nun, dass ich ein spontaner Idealist bin. Aha. Ja, mei, ok, warum nicht? Ich hätte vielleicht auch gesagt, ich bin ein chaotischer Traumtänzer, eine witzige Quasselstrippe, eine cholerische Stubenhockerin oder weiß der Fuchs....
Lieber Leser: Sag einmal, lässt sich die Persönlichkeit wirklich auf so eine Zweiwortüberschrift reduzieren? Ist das die Essenz? Lassen sich meine Detailverliebtheit, meine Sprunghaftigkeit, meine Trägheit (wenn es darum geht, von der Couch hoch zu kommen), meine Wuseligkeit (wenn ich vor einer Klasse stehe und gerade entdecke, dass es sich um mein Lieblingsthema handelt, das ich den Gören nahe bringe), all meine Wutausbrüche gegen meinen Mann, meinen Hang zum Rumblödeln mit meinem Söhnchen, meine niedrige Explosionstoleranz gegenüber meiner Mama und ihren wirklich guten Ratschlägen (keine Ironie! Mama hat wirklich gute Ratschläge....nur funktionieren die, denke ich immer, eher in einem anderen Leben und nicht in meinem....5 Wochen später, bums, Mama hatte recht)...wo war ich? Ach: Lässt sich all das, was jetzt nur so exemplarisch im Raum steht und charmant mit den Händen winkt, wirklich auf die Formel "Spontaner Idealist" reduzieren? Das war's? Spontan und idealistisch? Mehr gibt es in echt nicht zu meiner Persönlichkeit zu sagen? Und wenn ja, warum steht nirgendwo in einer Zeitung: "Führungsposition im Kultusministerium zu vergeben. Bewerben Sie sich bitte nur, wenn Sie ein spontaner Idealist sind."?
Ehrlich....ein "Hoch!" auf alle multiplen Persönlichkeiten! Ich beneide euch. Aber nur dies eine Mal.
Zwei Jahre (in Zahlen: 2) ist es her, dass ich hier zum letzten Mal schrob. Und was hat sich getan? Es stellten sich ein in chronologischer Reihenfolge: Eheglück, Mamaglück, Arbeits....nein, kein Glück. Das fällt eher in die Kategorie "Muss". Und zwischen damals und jetzt liegen außerdem 20 zugelegte kg, ungefähr 23 graue Haare, 112 verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank, exakt 0 Joggingversuche, 3 überzogene Leihfristen von Bibliotheksbüchern und ungezählte Nervenzusammenbrüche. Wie gesagt, ich habe ja jetzt einen Mann. Und man sagt, dass das pure Glück unkreativ macht. Das stimmt nicht. Man verplempert nur plötzlich die Zeit mit vielen anderen Dingen und spart sich die künstlerische Depression für das Luxuswochenende auf. Aber ab jetzt wird alles anders. Für die Psychohygiene und weil ich gewillt bin, alles zu versuchen. Das wahre Glück liegt nicht in der Zufriedenheit mit den eigenen Umständen, sondern im wiedergefundenen Kleinod, das man irgendwo zwischen Couch, Bier und Beine hochlegen verbummelt hat. Bequemlichkeit. Ich will wieder hungrig sein.